Gimpel Westgrat

2019 ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: der Westgrat am Gimpel (zusammen mit Sabine und Michael). Drei Jahre später bin ich mit Olaf in den Tannheimer Bergen unterwegs und nach dem Hüttengrat am Montag und Till Ann am Dienstag steigen wir heute zur Judenscharte auf. Hier gibt es genug Platz um die Kletterausrüstung anzulegen.

Uli und Olaf an der Judenscharte


Der Gimpel Westgrat mit Routenverlauf. Orangener Punkt: Schlüsselstelle

Der Einstieg befindet sich direkt oberhalb am Fels. Die erste Seillänge mit ca. 35 Metern Seillänge enthält nur zwei Zwischenhaken. Die Schwierigkeit bewegt sich auch nur im zweiten Grat. Zusätzliche Zwischensicherungen sind nicht erforderlich. Am ersten Stand klettert man schnell vorbei, da sich dieser einen guten Meter unterhalb des Grates auf der linken Seite befindet. Auch die zweite Seillänge mit ca. 25 Metern bewegt sich im zweiten Grat. Die dritte Seillänge ist mit 20 Metern recht kurz und andere Beschreibungen weisen dieses Stück auch nicht als eigene Seillänge aus. Da sich der Standplatz aber direkt unterhalb der Schlüsselstelle befindet, ist es sinnvoll diesen auch zu nutzen.

Die Schlüsselstelle ist inzwischen sehr abgespeckt und soweit man dieses glatte Stück noch frei klettern kann mit 5+/6- bewertet. Wir entscheiden uns für die empfohlene Variante. In eine Expressschlinge hänge ich eine zweimal abgebundene 120 m Bandschlinge ein, steige auf den Felszacken und hänge das Hilfsmittel an der Schlüsselstelle in einen Bohrhaken ein. In diesem Jahr hängt sogar ein Seil mit Trittschlinge in der Schlüsselstelle. Ich bevorzuge aber eigenes Material.


Schlüsselstelle mit vorhandener Trittschlinge

Jeder Kletterführer, den ich kenne und auch in Zeitschriften wird die Schlüsselstelle immer mit "Nur Mut Johann" aufgeführt. Für mich ist das R aber ein N. Der Farbton des ersten Wortes unterscheidet sich allerdings von den anderen beiden Wörtern. Wurde das NUR nachträglich abgeändert?

Auch die nächste Seillänge hält ein kleines Hinderniss in einem kurzen Riss bereit: den "Schinder". Auch diese Stelle (IV/A0) ist abgespeckt und es braucht etwas Mut an den nächsten Griff hochzugreifen. Alternativ hält man sich kurz an der eingehängten Expressschlinge fest. Die sechste Seillänge wiederum stellt kein Problem dar. Vor drei Jahren waren wir in der siebten Seillänge unsicher, wie der Routenverlauf aussieht. Die Stelle "direkt nach oben, großer Keil" habe ich 2019 nicht gefunden und dieses Jahr bin ich eine andere, schwerere Variante gegangen. Offiziell geht es links am frei stehenden Zapfen vorbei. Auf der Suche nach der richtigen Route entdecke ich rechts einen Bold, steige zurück und rechts am Zapfen vorbei. Ein paar Meter weiter hänge ich die zweite Exe ein.


Uli am Stand der sechsten Seillänge. Rot gepunktet die Variante rechts vom Zapfen

Nach 55 Metern erreiche ich den letzten Stand vor dem Gipfel. Eine Sicherung auf der letzten Seillänge zum Gipfel im Einser Gelände ist nicht mehr erforderlich.


Gimpel Gipfel, Blick nach Norden

Wir rasten nicht allzulange, da wir am Nachmittag eine zweite Tour geplant haben, die Südostwand am Gimpel. Auf dem Normalweg steigen wir ab. Unterschätzen sollten man diesen Weg nicht, da er Kletterstellen im zweiten Grat bereithält und die roten Markierungen teilweise schon sehr verblasst sind.