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Tannheimer Oktober 2015




Zum Saisonende in den Bergen unterwegs zu sein ist immer wieder ein traumhaftes Erlebnis. Auch dieses Jahr sind die Wetteraussichten gut und nachdem ich mögliche Alternativen mit noch geöffneten Hütten geprüft habe, entscheide ich mich für die Tannheimer Berge. Diese sind über die A7 noch am schnellsten erreichbar und auf den Hütten habe ich mich schon immer wohlgefühlt. Das Auto stelle ich am kostenpflichtigen Parkplatz (3 Tage = 5 Euro) an der Talstation des Gimpelhauses ab. Die Tannheimer Hütte ist von hier in gut einer Stunde erreichbar. Es ist erst 13 Uhr und ich entscheide mich für den Umweg über die Schneetal Alm - eine sehr lohnenswerte Alternative. Schon die toll gestaltete Speisenkarte lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ich muss unbedingt einmal auf der Schneetal Alm übernachten! Inzwischen steigt der Nebel immer höher und verschluckt schließlich diese Idylle auf 1.650m.

Der Wegweiser zur Tannheimer Hütte ist eigentlich eindeutig, aber laut Karte muss es noch einen anderen Weg geben. Mein Orientierungssinn ist gut und steige auf nicht markiertem Weg Richtung Schneidspitze. Schon nach wenigen Minuten ist der Pfad gut zu erkennen. Warum wird dieser Weg nicht mehr ausgeschildert? Die landschaftlich schönere Alternative führt unterhalb des Sabachjoches weiter an der Hütte Bergzigeuner vorbei zur Tannheimer Hütte.



Der Abriss der Tannheimer Hütte ist aktuell vom Tisch. Einige Umbauten wurden durchgeführt, um Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Das Matratzenlager im ersten Stock wurde um einen kleinen Anbau erweitert, der nicht nur über den geforderten Notausstieg verfügt, sondern auch um zwei Betten erweitert worden ist. Eines der beiden Betten hat die sehr nette Hüttenwirtin Marion für mich reserviert. Die Hütte ist voll und da diese im Gastraum nur über drei Tische verfügt, sitzt man am Abend eng, aber gemütlich zusammen. Der Rotwein schmeckt wieder sehr gut und mit der Hüttenruhe sieht man es zum Saisonende nicht mehr ganz so eng.

Ab 7 Uhr gibt es Frühstück in Büffetform. Wurst, Käse, Marmelade, Müsli, Cornflakes, Joghurt, dazu Heißgetränke nach Wahl. Gut gestärkt steht als erstes Ziel an diesem Tag der Gimpel auf dem Programm. Der einfachste Weg auf den Gimpel ist eine Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad. Es gibt keine Seilversicherungen und wer an den ersten Kletterstellen schon Probleme hat, sollte auf die Besteigung verzichten. Der Abstieg ist üblicherweise anspruchsvoller als der Aufstieg. Die Aussicht auf dem Gipfel ist phänomenal. Die Täler liegen unter dichten Wolken, während die Sonne die Berge in der klaren Lauft erstrahlen lässt. Von Osten grüßt die Zugspitze. Der vollständig zugebaute Gipfel mit Seilbahnen, DAV Hütte (Münchner Haus), Biergarten und Wetterstation ist mit bloßem Auge zu erkennen.


Auf das Bild klicken, um den Panorama Viewer zu starten

Leider steigen die Wolken auch im Tannheimer Tal immer höher und bereits im Abstieg vom Gimpel zeigt sich die Sonne immer seltener und auf der Roten Flüh haben die Wolken die Oberhand gewonnen. Der Abstieg von der Roten Flüh zur Gelben Scharte ist teilweise versichert. An der Gelben Scharte beginnt der Friedberger Klettersteig auf den Schartschrofen, ein recht kurzer, nicht allzu schwerer Klettersteig, der sich durchaus auch für Anfänger eignet. Durch die häufige Begehung sind leider viele Stellen schon sehr "abgespeckt". Vom Gipfel des Schartschrofen führt der Weg Richtung Füssener Jöchl. Ein direkter Abstieg zur Otto-Mayr-Hütte ist möglich, aber es ist noch früh am Tag und es bietet sich an, noch auf die Große Schlicke zu steigen, die unschwierig zu erklimmen ist. Bei gutem Wetter bietet der Gipfel eine grandiose Sicht auf Gehrenspitze, Köllenspitze, Gimpel, Rote Flüh und Schartschrofen. Leider haben die Wolken heute etwas dagegen diesen Anblick zu genießen.


Rote Flüh, Haldensee, Aggenstein, Große Schlicke, Gimpel (auf das Bild klicken, um den Panorama Viewer zu starten)

Die Otto-Mayr-Hütte schließt an diesem Wochenende und bietet von Samstag auf Sonntag die letzte Möglichkeit zu einer Übernachtung. Im Gegensatz zur Tannheimer Hütte bietet die Otto-Mayr-Hütte den Luxus einer Dusche, den ich gerne annehme. Inzwischen bewirtschaftet die sehr sympathische Hüttenwirtin Petra mit Ihrem Mann und dem Hüttenteam die Otto-Mayr-Hütte in der vierten Saison. Zuvor hat sie viele Jahre die Tannheimer Hütte bewirtschaftet. Das Essen ist gut, das Bier schmeckt und ein langer Abend in sehr netter Gesellschaft rundet diesen Tag ab.

Der nächste Tag startet trüb in einer Nebelsuppe. Nach einem kurzen Abstieg geht es auf der gegenüberliegenden Talseite steil hinauf zur Nesselwängler Scharte. Die Scharte liegt auf ca. 2000 Metern und die Sonne kann sich leider immer noch nicht behaupten. Der Aufstieg zur Köllenspitze sollte nicht unterschätzt werden. Die erste Kletterstelle muss im Abstieg überwunden werden. Der Fels ist nass und rutschig. Man sollte nur weiter steigen, wenn man über die entsprechende Erfahrung verfügt. Nur eine kurze Stelle ist mit Drahtseil und Bügeln in der Wand versichert! Auf dem Gipfel lässt sich zumindest zeitweise die Sonne blicken, allerdings weht ein unangenehmer, kalter Wind. Zurück an der Nesselwängler Scharte schafft die Sonne endlich den Durchbruch und lädt zum längeren Verweilen ein.

Eigentlich wollte ich am Montag nach dem Frühstück absteigen und nach Bad Wörishofen in die Therme fahren. Sauna, Massage, Lesen, Essen, Relaxen - das Leben genießen. Das Wetter macht mir einen Strich durch die Rechnung. Keine Wolke am Himmel und klare Sicht. Absteigen? Nein, Aufsteigen ist angesagt. Also Rucksack schultern und in knapp 50 Minuten stehe ich wieder auf dem Gipfel des Gimpel. Das Alpenvorland liegt unter einer dichten Wolkendecke - nicht unüblich zu dieser Jahreszeit. An dem Anblick der unzähligen Gipfel kann ich mich nicht satt sehen. Ich raffe mich dann doch auf, steige ab, um im Gegenanstieg gleich wieder auf den Gipfel der Roten Flüh zu steigen. Der Anstieg ist nicht mehr so nass wie vor zwei Tagen und der Gipfel ist schnell erreicht. Das Panorama (Bild siehe oben) ist atemberaubend. Auch von diesem Anblick muss ich mich irgendwann lösen, steige ab zur Gelben Scharte und wieder über den Friedberger Klettersteig auf den Gipfel des Schartschrofens. Punkt 12 Uhr starte ich den Abstieg. Ich bin sehr schnell unterwegs und nach nicht einmal 40 Minuten sitze ich auf der Sonnenterasse der Gaststätte Adlerhorst. Von der Sonne verwöhnt mit direktem Blick auf den Haldensee stärke ich mich mit einem Wiener Schnitzel und einem Bier bevor es zurück zum Parkplatz in Nesselwängle geht. Mit dem Auto geht es über Haldensee nach Pfronten und kaum bin ich in Deutschland steckt die Landschaft in dichten Wolken.

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
Montag, 12. Oktober 2015
8:51Tannheimer Hütte 1.713m 
9:38Gimpel 2.173m, bis 10:100° 47'
10:34Einstieg1° 11'
10:55Rote Flüh, bis 11:151° 32'
11:37Gelbe Scharte, bis 11:391° 55'
11:52Schartschrofen, bis 12:002° 08'
12:06Scharte2° 14'
12:39Adlerhorst, bis 13:322° 47'
14:02Parkplatz Nesselwängle3° 17'



Quelle: Google Earth, GeoBasis-DE/BKG, Kartendaten: Geoimage Austria