Wilder Kaiser

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Fleischbank Nordgrat


Im Jahresprogramm 2015 meiner Alpenvereinssektion Aschaffenburg war eine Gemeinschaftstour Genussklettern Wilder Kaiser Anfang September ausgeschrieben, zu der sich einige meiner Klettermax (so heißt unsere Sportklettergruppe) Freunde angemeldet hatten. Auf dem Plan stand u.a. der Fleischbank Nordgrat, eine Mehrseillängentour mit Schwierigkeiten bis 3+. Das Topo gibt eine Stunde für den Zustieg an, vier Stunden für 1300 Klettermeter und zweieinhalb Stunden für den Rückweg, in Summe also 7,5 Stunden, also gut machbar an einem Tag. Durch die unglückliche Verkettung verschiedener Umstände wurde der Fleischbank Gipfel erst in der Abenddämmerung erreicht und Abseilpiste sowie Rückweg über die Steinerne Rinne mussten in den Nachtstunden bewältigt werden, so dass die Klettergruppe erst am darauffolgenden Morgen am Stripsenjochhaus eintraf. Die Erzählungen haben mich fasziniert und der Nordgrat steht seitdem auf meiner Wunschliste ganz oben.

In diesem Jahr planen wir ein paar Tage im Wilden Kaiser und ich buche ein Zimmer in der Fischbachalm, die direkt an der Mautstraße zur Griesneralm liegt. Das hat den Vorteil, dass wir abhängig vom Wetter mit dem Auto flexibel andere Ziele schnell erreichen können. Nach der Kampenwand Überschreitung erreichen wir gegen 18:30 Uhr die Fischbachalm auf 855 Metern. Das Wetter ist gut und wir können das Abendessen und ein kühles Bier im Freien genießen.

In Vorbereitung auf den Wilden Kaiser habe ich viele Kletterrouten im einfachen Fels recherchiert. Auch wenn in der Kletterhalle der sechste Schwierigkeitsgrad selten Probleme bereitet, sollten die Mehrseillängenrouten nicht über den vierten Grad hinausgehen. Neben der technischen Schwierigkeit einer Route kommen Standplatzbau (nicht nur an Standplätzen mit Bohrhaken) und Wegsuche hinzu und bis auf einige Mehrseillängen in Sportklettergebieten fehlt uns die Erfahrung in alpinem Gelände. Was hat die Recherche ergeben? Vordere Karlspitze Südostgrat 4-, Westliche Hochgrubachspitze 3, Leuchsweg Ellmauer Halt Westwand 3+, Kraxengrat 4-, Kopftörlgrat 4-, Hintere Goinger Halt Nordgrat 3+ und natürlich Fleischbank Nordgrat 3+. Einige dieser Alternativen sind von der Nordseite nur schwer zu erreichen und scheiden aus. Hintere Goinger Halt oder Fleischbank? Die Wetteraussichten sind gut mit geringer Gewitterneigung am Nachmittag und wir entscheiden uns für den Fleischbank Nordgrat: 700 Höhenmeter und 1300 Klettermeter!



Der Zustieg erfolgt über den Eggersteig (gelbe Punkte), der vom Weg Grieseneralm (988 m) zum Stripsenjochhaus (1.577 m) abzweigt. Von der Grieseneralm erreichen wir den Einstieg nach knapp einer Stunde. Vom Stripsenjochhaus ist der Fleischbank Nordgrat wesentlich schneller zu erreichen. Die Fischbachalm bietet erst ab 8 Uhr Frühstück an. Für eine lange, alpine Tour ist das viel zu spät. Wir fragen nach einem Thermofrühstück und dieser Wunsch wird uns erfüllt. Der Wecker klingelt um 5 Uhr und nach dem Frühstück fahren wir um 6 Uhr zu dem großen Parkplatz an der Grieseneralm. Wir sind schon sehr gespannt auf diese doch recht lange Kletterei. Um 7:18 Uhr stehen wir am Einstieg. Die erste Seillänge führt versteckt hinter einer großen Platte eine Rinne empor, die weiter oben enger und schwerer wird (die erste 3er Stelle). Weiter geht es über einfaches Gelände bis zu einer Tafel. Hier fängt die eigentliche Genusskletterei an.

Die meisten Standplätze sind hervorragend mit Bohrhaken abgesichert. Gelegentlich macht es Sinn, eine Zwischensicherung (Friend oder Bandschlinge) anzubringen und selten muss ein Standplatz selbst gebaut werden. Am Fleischbankpfeiler fallen wir einem Verhauer zum Opfer. Ein Sologeher überholt uns und geht so zielsicher eine Felsrippe hinauf, dass wir annehmen, er kennt den Weg. Wir hätten uns besser auf das Topo verlassen sollen! Das kostet uns bestimmt 30 Minuten. Der Weg führt nicht an der auch im Topo eingezeichneten Bergrettungs-Box vorbei, sondern schon vorher an zwei Bohrhaken über gestuftes 1er Gelände direkt nach oben, um auf der anderen Seite im Gehgelände abzusteigen.

Den im Topo eingezeichneten fixen Klemmkeil am Fuß der Rampe entdecken wir nicht und bauen an einem Felskopf selbst einen Standplatz. Über die Rampe führt eine schöne Kletterei erst 3- dann 2 hinauf. Auf halber Strecke baue ich an einem Felskopf einen Standplatz. Es schließt sich Gehgelände an bevor es über einfache Kletterei zu den Türmen führt. Mit einem großen Schritt und viel Luft unter den Füßen spreize ich von Turm zu Turm, um auf der anderen Seite ein paar Meter zum Standplatz (zwei Bohrhaken) abzusteigen. Klettertechnisch geht es im festen Fels weiter, um dann über die plattige Kante den Fleischbank Gipfel 2.186 Meter zu erreichen.



Inzwischen ist es 14:30 Uhr und wir haben erheblich länger als die angegebenen vier Stunden benötigt. Gründe? Einerseits haben wir teilweise auch in einfacherem Gelände gesichert, die Routine als Seilschaft fehlt noch und der Verhauer hat auch Zeit gekostet. Gut, dass wir früh gestartet sind und das Wetter noch passt. Allerdings sehen einige Wolken sehr fett aus. Kommt doch noch Regen?

Vom Gipfel führt südwestlich eine Rinne hinunter, die gut rot markiert ist. Bohrhaken zum Abseilen sind vorhanden - und wir nutzen diese auch. Die ersten dicken Regentropfen fallen. Am Ende der Rinne queren wir unterhalb des Christaturm zum Sattel zwischen Christaturm und Hintere Karlspitze.


Blick von dem Band unterhalb der Hinteren Karlspitze. Die Rinne, die vom Fleischbankgipfel herabführt, ist von den Felstürmen verdeckt (gepunktet)

Hier steigen wir zum Nordostgrat der Hinteren Karlspitze auf und folgen dem Band links. An einem Felsblock sind Reepschnüre angebracht, die man zum Abseilen nutzen könnte. Aber kann man dem Material vertrauen? Wir beschließen im max. 2er Bereich abzuklettern und erreichen bald die Abseilpiste, die sehr gut rot markiert ist. Bis auf eine Abseilstelle sind alle anderen Standplätze mit zwei Bohrhaken und einer Kette versehen. Nach 6x Abseilen kommen wir um 17 Uhr am Fuß der Hinteren Karlspitze an und steigen über ein Geröllfeld zum Eggersteig ab. Der im unteren Teil großteils versicherte Eggersteig führt steil ca. 600 Höhenmeter die Steinerne Rinne hinab. Leider hat es inzwischen zu regnen angefangen. Das erfordert konzentriertes Gehen auf den teilweise rutschigen Steinen. Nach einem kurzen Gegenanstieg haben wir die Fleischbank "umrundet" und schauen nochmal hoch zum Einstieg und zum Nordgrat. Weitere 400 Höhenmeter trennen uns von einem kühlen Bier und einem guten Abendessen.

Knapp 13 Stunden waren wir (inklusive Pausen) in unserer ersten, großen Mehrseillängentour unterwegs. Es war ein phantastisches Unternehmen und ich kann mir gut vorstellen, diese Tour zu wiederholen. Allerdings würde ich das nächste Mal das Stripsenjochhaus als Basis wählen. Zum Einstieg müssen dann nur gut 100 Höhenmeter im Abstieg bewältigt werden und nicht 400 Höhenmeter im Aufstieg von der Grieseneralm.