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Rosengarten 2019

Auch in diesem Jahr planen wir wieder eine Hüttentour. Nach dem Meraner Höhenweg 2017 und dem Rätikon im letzten Jahr sind die Dolomiten dieses Jahr unser Ziel. Fünf Tage wollen wir den Rosengarten durchqueren und anschließend noch eine Woche gutes Essen, gute Weine und die Wellness Landschaft in der Moseralm genießen.

Nach Rücksprache mit dem Hotel können wir das Auto an der Moseralm stehen lassen. Damit stehen Start und Ziel für die Hüttentour inkl. Klettersteige fest. Ich tüftle an einer 5 Tages Tour, die uns einmal durch den Rosengarten führt und vor allem auf Aufstiegshilfen und öffentliche Verkehrsmittel verzichtet. Soll ich alle Hütten reservieren? Natürlich hat dies den Vorteil, dass man jeden Abend einen Schlafplatz sicher hat. Gleichzeitig verbaut man sich die Flexibilität bei Schlechtwetter, konditionellen Problemen oder spontanen Alternativen. Ich verzichte daher auf die Hüttenreservierungen zumal wir keine Übernachtung am Wochenende benötigen. Im Nachhinein gesehen keine gute Entscheidung wenn man Mitte August in den Dolomiten unterwegs ist.

Am Tag vor der Abreise versuche ich zumindest die erste Übernachtung zu buchen. Meine Telefonanrufe werden nicht entgegengenommen, daher schicke ich eine E-Mail, aber auch diese wird bis in die späten Abendstunden nicht beantwortet. Etwas verunsichert verschicke ich eine Reservierungsanfrage an die zweite Hütte. Eine Mitarbeiterin der Grasleitenpasshütte antwortet schnell: "wir sind ausgebucht". Uups. Meine Anfrage an die Hütte für den nächsten Tag wird ebenfalls mit "ausgebucht" beantwortet. Das wird spannend ...

Auf der langen, zum Glück staufreien Anfahrt (ca. 680km) zur Moseralm rufe ich auf der Kölner Hütte an. Wir haben Glück und erhalten sogar zwei Betten (alternativ zu einfachen Matratzenlagern). In der Frühstückspause checke ich meine E-Mails und finde eine Antwort auf meine E-Mail vom Vortag, in der mir zwei Lagerplätze angeboten werden. Zumindest die erste Übernachtung ist also gesichert. Der Rest wird sich ergeben.

Die 10-Tages-Vignette für die österreichischen Autobahnen sowie die Brenner Autobahn Maut habe ich bereits online gekauft. Damit entfällt die selbstklebende Vignette an der Windschutzscheibe, die sich schwer entfernen lässt und an der Mautstelle vor dem Brenner gestatten die Videospuren (das Kfz-Kennzeichen wird über Videokamera und Datenabgleich geprüft und die Schranke öffnet automatisch) ein schnelles Vorankommen. Vollkommen unverständlich: die Vignette muss mindestens zwei Wochen im voraus gekauft werden (europäisches Widerrufsrecht bei Internet Geschäften), während die Brenner Autobahn Maut am selben (!!!) Tag gekauft werden kann - und das bei demselben Anbieter ASFINAG.

Bevor wir die Rucksäcke schultern trinken wir noch etwas auf der Terrasse der Moseralm. Bis zu unserem heutigen Ziel sollten wir ca. 2,5 Stunden brauchen. Direkt am Hotel startet der Weg Nr. 9 gemütlich durch den Wald kontinuierlich ansteigend. Immerhin müssen 750 Höhenmeter überwunden werden.

Orkanartige Windböen haben in der Nacht auf den 30. Oktober 2018 riesige Waldbestände dem Erdboden gleichgemacht, eine Naturkatastrophe mit schweren Verwüstungen im Gebiet rund um den Karersee. Beispielhaft der Blick auf den ehemaligen Wald direkt hinter der Moseralm:



Im rechten Bereich wurden die Stämme schon mit sehr aufwändiger Technik vom Berg gezogen und abtransportiert, im linken Bereich wartet noch reichlich Arbeit auf die darauf spezialisierten Firmen. Für die Waldbesitzer ein unermesslicher Schaden. Mit etwas Glück decken die Erlöse für das Holz die Kosten für die Aufarbeitung und den Abtransport des Holzes. Bei der verfügbaren Menge von Baustämmen ist der Holzpreis in den Keller gefallen.

Nach gut 1,5 Stunden mündet der Weg Nr. 9 auf den Hirzlweg (manchmal auch als Hirzlsteig bezeichnet). Ein kleiner Brunnen lädt zu einer Rast ein. Das Wetter passt und nach 20 Minuten nehmen wir den letzten Wegabschnitt in Angriff. Erst gemächlich, ohne große Steigungen wandern wir nach Norden. Zur Kölner Hütte selbst müssen noch ein paar Höhenmeter überwunden werden.



Auf der Terrasse stillen wir unseren Durst, beziehen anschließend unser Zweibettzimmer (Stockbetten) und nach einer sehr wohltuenden Dusche (Duschmünze 3 Euro für lange 5 Minuten) geht es bereits mit dem Abendessen los. Wir haben uns für Halbpension entschieden (50 Euro, für Nichtmitglieder 61 Euro). Auf italienischen Hütten ist das üblich, aber in der Regel kein Zwang.

Im letzten Abendlicht erstrahlt das Latemar:



... und im Westen versinkt langsam die Abendsonne:



Frühstück gibt es ab 7:30 Uhr und beinhaltet neben Butter und Marmelade auch Wurst und Käse vom Büffet. Abraten muss ich von dem Kaffee, denn dieser wird aus Gerste zubereitet, hat natürlich kein Koffein und schmeckt (zumindest uns) nicht. Also besser einen (kostenpflichten) Kaffee Americano oder Espresso oder Cappuccino bestellen.

Bereits um 8 Uhr starten wir an der Hütte in Richtung Santnerpass. Der erste Klettersteig steht bevor. Gleich hinter der Hütte beginnt die Kraxelei im sehr abgespeckten, teilweise gesicherten Fels. Auf das Klettersteigset können wir noch verzichten. Nach der recht kurzen Kletterei führt der Pfad Richtung Klettersteig. Einen echten Einstieg mit entsprechendem Schild und Warnhinweisen findet man hier nicht. Bevor es in die Felsen geht, legen wir die Klettersteigsets an und setzen den Helm auf. Der Santnerpass Klettersteig ist mittelschwer, man darf ihn aber nicht unterschätzen, da er nicht durchgehend versichert ist und einige Kletterstellen ungesichert überwunden werden müssen.



Die etwas schwierigeren, sehr gut abgesicherten Kletterstellen erreichen wir erst nach einer steilen Rinne. Bei früheren Begehungen war diese Rinne noch mit Altschnee gefüllt und die Sicherungsseile im Schnee verborgen. Dieses Jahr ist der Schnee weg und die Querung unproblematisch:



Nach zwei Stunden (ab Kölner Hütte) erreichen wir den Santnerpass und die auf 2.730m gelegene, gleichnamige Santnerpasshütte



Die Sonne versteckt sich bereits hinter den ersten Wolken und es ist recht kalt. Also rein in die kleine, gemütliche Hütte. Die Santnerpasshütte ist eine Privathütte und war in den Jahren 2013 bis 2018 geschlossen. Unser Glück, dass sie ab dieser Saison wieder geöffnet hat. Die Hütte bietet sogar acht Schlafplätze. Vor einigen Jahren habe ich einmal hier übernachtet. Sonnenuntergang und Sonnenaufgang sind unbeschreiblich. Wir aber wollen weiter und steigen in wenigen Minuten zur Gartlhütte ab. Direkt gegenüber befinden sich die berühmten Vajolettürme, die bei Kletterern sehr beliebt sind. Vor ein paar Jahren habe ich zwei der Türme bestiegen.


von links: Delago mit der berühmten Delagokante, Stabler und Winklerturm

Es ist nicht ungewöhnlich, dass der See an der Hütte im Sommer austrocknet - nicht gerade fotografenfreundlich. Inzwischen hat sich der Himmel fast vollständig bedeckt und der Wetterbericht sagt etwas Regen vorher. Da wir heute nur noch zur Vajolethütte absteigen (die Grasleitenpasshütte ist ja leider belegt) rasten wir ausgiebig in der Hütte und essen eine sehr gute Gemüsesuppe. An den Vajolettürmen seilen sich mehrere Seilschaften ab, denen wir länger zusehen. Hoffentlich kommen sie noch trocken an die Hütte.

Nach 1,5 Stunden Rast steigen wir ab und werden auf halben Weg von den ersten Regentropfen begrüßt. Es sieht nicht nach viel Regen aus und daher ziehen wir nur die Regenhüllen über die Rucksäcke. Nach 45 Minuten erreichen wir die Vajolethütte, an der sich unzählige Gleichgesinnte tummeln. Die Zimmer sind alle belegt. Dafür haben wir im Lager noch die freie Auswahl und belegen zwei Doppelstockbetten. Kein Luxusdomizil, aber für eine Nacht geht es schon. Dafür ist die Dusche sehr angenehm. Hier kann man für 3 Euro (Duschmünze) sogar 6 Minuten das heiße Wasser genießen.


Das Lager im Keller ist nur von außen erreichbar

Direkt neben der Vajolethütte befindet sich die Preusshütte. In der Vajolethütte ist uns zu viel Trubel, so dass wir den Nachmittag in der Preusshütte verbringen. Hier gibt es 10 Schlafplätze. Das nächste Mal würde ich versuchen, hier unterzukommen.



Auf der Vajolethütte haben wir denselben Fehler wie am Vortag begangen und nur Kaffee bestellt - und wieder Gerstenkaffee erhalten. Erst einmal steigen wir zur Grasleitenpasshütte auf und trinken dort einen guten Cappuccino. Für heute ist die Überschreitung des Kesselkogels geplant. Leider sagt der Wetterbericht für den Mittag schon Regen bzw. Gewitter voraus. Das Zeitfenster ist uns zu kurz, um die beiden Klettersteige an diesem Tag zu gehen. Schweren Herzens verzichten wir darauf.

Was gibt es für Alternativen? Entweder gehen wir zur Tierser-Alpl-Hütte oder zur Antermoia Hütte. Die Tierser-Alpl-Hütte ist mir in sehr guter Erinnerung. Da wir zwei Tage später wieder am Ausgangspunkt unserer Tour sein müssen, liegt die Unterkunft allerdings nicht ideal. Wir entscheiden uns daher für die Antermoia Hütte. In einer Bergzeitschrift habe ich gelesen, dass die Hütte komplett renoviert worden ist. Wir freuen uns schon auf einen gemütlichen Abend in einer schönen Hütte, die am gleichnamigen See liegt:





Die Enttäuschung ist groß als uns der Hüttenwirt mitteilt, dass die Hütte ausgebucht ist. Und nun? Der Hüttenwirt teilt uns mit, dass die nächste Hütte 45 Minuten entfernt liegt: Rifugio Dona. Den Namen habe ich noch nie gehört und in meiner Karte ist diese auch nicht eingezeichnet. Freundlicherweise ruft der Hüttenwirt für uns auf dem Rifugio Dona an. Zwei Plätze sind noch verfügbar. Wir sagen zu, was bleibt uns sonst auch anderes übrig? Nach einer Pause schultern wir die Rucksäcke und steigen in das Dona Tal ab - auch wenn die angegebenen 45 Minuten unrealistisch sind. Was uns dann erwartet ist der absolute Volltreffer. Wir werden vom Sohn mit Handschlag begrüßt und später auch vom Vater. Eine urige Hütte mit 13 Schlafplätzen. Die beiden Betten sind nur frei, da bei einer Gruppe zwei Personen abgesprungen sind. Uns kann es nur recht sein.







In der Hütte selbst gibt es ein Zimmer für 7 Personen mit Stockbetten und eine heiße Dusche. Beides sehr ansprechend und wir fühlen uns gleich wohl. In einem Nebengebäude stehen weitere Schlafmöglichkeiten zur Verfügung. Wir sitzen noch eine ganze Zeit vor der Hütte. Der angekündigte Regen hat sich auf den Spätnachmittag verschoben. Die Kesselkogel Klettersteige wären also möglich gewesen - aber das weiß man vorher nicht und Sicherheit geht vor. Auch hier nehmen wir die Halbpension und bekommen das beste Essen auf der ganzen Tour.

Am nächsten Tag müssen wir wieder zur Antermoia Hütte aufsteigen. Dort angekommen löschen wir unseren Durst. Interessehalber frage ich den Wirt, ob die Hütte letzte Nacht ausgebucht war. Nein, war sie nicht. Wieder einmal sind nicht alle angemeldeten Gäste gekommen. Ein Problem, mit dem viele Hütten immer wieder konfrontiert werden. Wir sehen es positiv. Wäre die Hütte nicht ausgebucht gewesen, hätten wir das herrliche Rifugio Dona nicht kennengelernt.

Traumhaftes Wetter begleitet uns auf dem Weg zurück in das Herz des Rosengartens. Die erste Stunde sind wir vollkommen alleine unterwegs. Erst beim Abstieg vom Passo di Lausa kommen uns die ersten Wanderer entgegen. Einen wenig anspruchsvollen Klettersteig überwinden wir im Abstieg, um dann im weiten Bogen ins Vajolettal zur Gardecciahütte abzusteigen. Die Menschenmassen an der Hütte sind ein Schock. Gefühlt tausend Italiener belagern die Wiesen rund um die Einkehrmöglichkeiten. Neben der Gardecciahütte gibt es noch die Unterkunft Stella Alpina, eine Bar und ein Stückchen weiter noch eine weitere Hütte. Aus dem Fassatal erreicht man mit der Seilbahn eine Höhe von 2.000 Metern und von der Bergstation sind es nur 45 bis 60 Minuten zum Rifugio Cardeccia. Alternativ kann mit mit einem Shuttle-Bus direkt vor die Hütten gefahren werden. Unser Problem: keine der Hütten/Gasthöfe hat noch zwei Betten frei. Preuss-Hütte? Voll. Zur Vajolethütte wollen wir nicht. Also was tun? Absteigen ins Fassatal und auf ein Zimmer hoffen? Booking.com zeigt nur unbezahlbare, freie Unterkünfte an. Anruf auf der Kölner Hütte: Notlager sind noch verfügbar. Ich sage zu. Allerdings heißt das nochmals 2,5 Gehstunden über das Tschagerjoch. Das Wetter ist top und wir haben genug Zeit. Beim Aufstieg zum Tschagerjoch (immerhin nochmals knapp 700 Höhenmeter) kommen wir nochmals ordentlich ins Schwitzen.


Blick vom Tschagerjoch zur Vajolet- und Preushütte. Senkrecht darüber der Kesselkogel.

Steil ist auf der anderen Seite der Abstieg zum Tschagerjoch zur Kölner Hütte. Nachdem wir unseren ersten Durst gestillt haben, sehnen wir uns nach einer heißen Dusche. Unsere Rucksäcke stellen wir im Notlager ab. Nackter Betonboten, uralte Stockbetten mit mindestens so alte Matratzen. Naja, es ist die letzte Nacht auf einer Hütte. Morgen erwartet uns ein gutes Hotel.



Kurz nachdem wir unser Abendessen zu uns genommen haben kommt die Bedienung und winkt mit einem Zimmerschlüssel. Auch auf der eigentlich ausgebuchten Kölner Hütte sind nicht alle Gäste erschienen und so haben wir auch in dieser Nacht ein Zweibettzimmer für uns alleine.

Am nächsten Tag steht nur noch der Abstieg zum Hotel Moseralm an. Wir lassen uns Zeit mit dem Frühstück und verzichten auf den Gerstenkaffee. Kaffee Americano und Cappuccino schmecken sehr gut. Gemütlich steigen wir ab und obwohl wir bereits um 11 Uhr am Hotel sind, ist unser Zimmer schon bezugsfähig. Eine Woche genießen wir jetzt die Vorzüge eines 4 Sterne Hotels mit einer großen, erst vor drei Wochen fertiggestellten Wellness Landschaft.

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
11.08.2019
14:07Hotel Moseralm 1.580m 
15:44Höhenweg, Pause bis 16:051° 37'
16:48Kölner Hütte 2.337m2° 20'
12.08.2019
8:01Kölner Hütte 2.337m 
10:02Ausstieg Santnerpass Klettersteig2° 01'
10:04Santnerpasshütte 2.730m, Pause bis 11:042° 03'
11:16Gartlhütte (Rifugio Re Alberto) 2.621m, Pause bis 12:452° 15'
13:27Vajolethütte 2.243m2° 57'
13.08.2019
8:01Vajolethütte 2.601m 
8:52Grasleitenpasshütte, Pause bis 9:300° 51'
9:52Antermoa Pass 2.770m, Pause bis 10:001° 13'
10:24Schild1° 37'
10:48Antermoia Hütte, Pause bis 11:382° 01'
12:50Rifugio Dona 2.100m3° 13'
14.08.2019
7:46Rifugio Dona 2.100m 
9:03Passo de Dona1° 17'
9:12Antermoia Hütte, Pause bis 9:381° 26'
10:26Passo di Lausa 2700m2° 14'
11:09See (ausgetrocknet)2° 57'
11:17Passo delle Scalette 2.348m3° 05'
12:28Einstieg Klettersteig4° 16'
13:23Rifugio Gardeccia, Pause bis 14:305° 11'
15:43Weggabelung6° 24'
16:16Tschagerjoch, Colonelle, Pause bis 16:266° 57'
16:40Bank, Colonelle, Pause bis 16:477° 11'
17:09Kölner Hütte 2.337m7° 33'
15.08.2019
8:43Kölner Hütte 2.337m 
9:23Abzweigung Moser Nr. 90° 40'
10:06Bank, Pause bis 10:371° 23'
10:43Überquerung Straße Nigerpass1° 30'
11:02Berghotel Moseralm1° 49'