Meraner Höhenweg

Uli

Einer der schönsten und anspruchsvollsten Höhenwege Südtirols, so wird der Meraner Höhenweg beworben. Um es vorwegzunehmen: der Höhenweg ist absolut empfehlenswert. Der Rundweg führt durch alle Höhenzonen und bewegt sich zwischen 821 und 2.895 Metern. Wir planen den Weg komplett zu gehen und sind daher frei in der Wahl des Startpunktes. Viele Wanderführer schlagen das Dorf Tirol als Startpunkt vor und die Nutzung der Seilbahn zum Gasthof Hochmuth. Wir reisen mit dem PKW an und wollen das Fahrzeug nicht eine knappe Woche auf einem großen Parkplatz stehen lassen. Einige Unterkünfte bieten an, das Auto kostenlos zu parken, wenn man eine Übernachtung bucht. Unsere Wahl fällt daher auf den Gasthof Magdfeld und dort buche ich per E-Mail die erste Übernachtung. Alternative Einstiegspunkte sind Montferthof oder Untervernatschhof (beide oberhalb von Katharinaberg direkt am Meraner Höhenweg gelegen) und mehrere Unterkünfte in Pfelders.

Bevor ich mich intensiver mit dem Meraner Höhenweg beschäftigt habe, ging ich bei den Unterkünften von Alpenvereinshütten aus. Diese Annahme hat sich schnell als falsch herausgestellt. Übernachtet wird in Gasthöfen, Pensionen, Hotels oder Bauernhöfen. Ausnahme ist die Stettiner Hütte auf knapp 2.900 Metern, die allerdings 2014 einer Lawine zum Opfer gefallen ist. Dazu später mehr. Es empfiehlt sich daher die Unterkünfte vorab zu buchen. Alle von uns genutzten Unterkünfte sind inzwischen über Internet erreichbar und die Buchungsanfragen per E-Mail wurden schnell beantwortet

Anreise


Über die A7, Fernpass, Ötztal und das Timmelsjoch gelangen wir in das Paseiertal und gönnen uns in St. Martin erst einmal einen Eisbecher und einen Cappuccino. Kurz nach St. Martin führt eine teilweise sehr enge und kurvige Straße 6 km und 600 Höhenmeter nach Magdfeld. Vom Biergarten hat man einen herrlichen Blick auf die gegenüberliegenden Berge. Wir nutzen den Rest des Nachmittages zum Lesen und Entspannen. Es gibt wenig Betten im Gasthof und obwohl wir in der Hauptsaison unterwegs sind, übernachten außer uns nur drei weitere Gäste. Das Doppelzimmer ist einfach, verströmt aber einen merkwürdigen Geruch. Toilette und Dusche teilen wir mit den anderen Wanderern. Die Wirtsleute sind nicht unfreundlich, geben einem aber auch nicht das Gefühl willkommen zu sein.



1. Tag


Der Wecker steht auf 6:30 Uhr, ich bin aber bereits seit 6 Uhr wach, da ich den Wecker im Nachbarzimmer gehört habe. Nach einer Dusche (ein Haartrockner steht zur Verfügung, nicht ganz unwichtig mit weiblicher Begleitung) starten wir den Tag um 7:30 Uhr mit einem Frühstücksbuffet. Neben verschiedenen Brotsorten gibt es Wurst, Käse, Marmelade, Müsli und verschiedene Säfte. Nicht zu vergessen den Wachmacher Kaffee, der üblicherweise zusammen mit heißer, aufgeschäumter Milch serviert wird.

Um 8:17 Uhr starten wir die erste Etappe. Laut Wetterbericht kann es später regnen und die Wettervorhersage sollte sich nicht irren. Nach 1,5 Stunden erreichen wir den Gasthof Brunner. Für eine Rast ist es noch zu früh und wir wandern weiter. Nach 30 Minuten erreichen wir den Hofschank Bergrast, der keinen Mittagsbetrieb mehr anbietet (Übernachtung und Verpflegung nur noch für Hausgäste!). Ein paar hundert Meter weiter rasten wir an einer Bank in der Sonne mit herrlichem Blick auf Meran.

Kurz vor dem Longfallhof fängt es leicht an zu regnen. Also Regenhülle über den Rucksack stülpen und weiter geht es mit dem Regenschirm.



Am Longfallhof legen wir eine Pause ein und essen eine Knödelsuppe, die allerdings sehr verwässert schmeckt. Mit einem Obstler beruhigen wir unsere Geschmacksnerven.

Kurz nach 12 Uhr müssen wir von 1.075 Metern auf über 1.300 Meter aufsteigen - das war so auf der Karte nicht sofort erkennbar. Wieder fängt es leicht zu regnen an und wir packen den Regenschirm aus und die Digitalkamera ein. Nach einer guten Stunde lädt uns der Gasthof Talbauer zur nächsten Rast ein.



Ich kann nicht widerstehen und bestelle wieder eine Leberknödelsuppe, die wesentlich besser schmeckt als im Longfallhof. An das Bier werde ich mich nicht gewöhnen können. In fast allen Gasthöfen und Unterkünften wird das italienische Forst Bier ausgeschenkt - leider nicht meine Geschmacksrichtung. Alternativ gibt es fast überall Weizen Bier von deutschen Brauereien (Erdinger, Weihenstephan). Da ich eher die herben Pilssorten bevorzuge, werde ich die nächsten Tage auf Rotwein ausweichen.

Unser Tagesziel können wir schon sehen:


ganz links der Gasthof, in der Mitte die Bergstation

In den gängigen Wanderführern zum Meraner Höhenweg wird die Bergstation Hochmuth als Startpunkt des Rundweges empfohlen. Hoch über Meran und Dorf Tirol gelegen, gelangt man in wenigen Minuten mit der Seilbahn zum Ausgangspunkt der Wanderung. Für uns stellt der Gasthof Hochmuth das Ende der ersten Etappe dar. Wir beziehen ein nicht ganz preiswertes Zimmer (49 Euro pro Person inkl. Frühstück) im zweiten Stock mit einem herrlichen Ausblick auf Meran. Die Dusche ist sehr erholsam und wir nutzen den frühen Tag zum Waschen der verschwitzten Shirts. Seit einigen Jahren habe ich immer eine Reepschnur im Rucksack, die in diesem Fall als Wäscheleine auf dem Balkon genutzt wird. Auch die mitgebrachten Wäscheklammern sind bei mehrtägigen Wanderungen sehr nützlich.

Die kurzen Regenschauer haben sich inzwischen verzogen und wir genießen den Nachmittag und den Abend auf der großen Terrasse.


Freunde von uns verbringen den Urlaub in Schenna und über das Teleobjektiv kann ich sogar die Unterkunft erkennen.


Blick auf den Gasthof Hochmuth. Im roten Kreis: Marling. Hier werden wir im Anschluss an die Wanderung noch ein paar Tage Urlaub verbringen.

Im Gasthof werden viele Produkte aus der eigenen Produktion angeboten. Sehr empfehlenswert ist der hausgemachte Speck. Dazu schmeckt der dunkle Lagrein besonders gut. An diese Rebsorte kann ich mich gewöhnen. Äußerst lecker ist auch der selbstgebrannte Treber Schnaps. Basis für diesen Brand sind die Pressrückstände der Weintrauben (auch Trester genannt). Grappa basiert ebenfalls auf Treber, der Name ist aber geschützt und darf nur für den auf nationalem Gebiet in Italien und in der Schweiz im Kanton Tessin gewonnenen Branntwein verwendet werden.

Um 21:30 Uhr sind wir die beiden letzten Gäste im Gasthof. Mit dem Wirt halten wir noch einen kurzen Plausch und genießen als Absacker noch einen Treber Schnaps.

2. Tag


Kurz nach 6 Uhr wache ich erholt und ausgeschlafen aus. Über Schenna geht bald die Sonne auf und ich genieße diesen Moment auf dem Balkon. Frühstück gibt es ab 7:30 Uhr und dieses wird reichlich in Buffetform angeboten. Neben gekochten Eiern gibt es auch den guten, hausgemachten Speck. Wir lassen uns viel Zeit für das Frühstück und starten um 8:42 Uhr unsere heutige Etappe. Nach einer 3/4 Stunde erreichen wir die idyllisch gelegene Leiteralm.





Wir sind die ersten Gäste auf der Terrasse und füllen mit einer Schorle den Flüssigkeitsspeicher. Bald tauchen weitere, ausgeruhte (!!) Wanderer auf. Ein Blick auf die Karte liefert schnell die Begründung: nicht weit von der Leiteralm entfernt befindet sich die Bergstation einer Seilbahn.

Bei herrlichem Wetter steht uns jetzt ein 300 Höhenmeter Anstieg zum Hochganghaus bevor, das erst in den Jahren 2008/2009 neu gebaut worden ist.



Das Hochganghaus ist ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge und auch eine sehr interessante Alternative als Übernachtungsstützpunkt auf dem Meraner Höhenweg. Viele Wanderer kommen hier auf dem Anstieg zu den Spronser Seen vorbei. Diese Seenlandschaft kenne ich bisher nur aus Fernsehberichten und ist auf jeden Fall noch ein Ziel für die zukünftige Urlaubsplanung.

Laut Wegweiser haben wir nach 3,5 Stunden Gehzeit vor uns, um unser Übernachtungsziel Giggelberg zu erreichen. Nach 1 1/4 Stunden erreichen wir die gut gefüllte Tablander Alm auf 1.788 Metern. Der Kaiserschmarrn ist ein Gedicht, nur die einzige Bedienung auf der Terrasse ist leicht überfordert und wir müssen lange warten, bis wir bezahlen können.



In 40 Minuten erreichen wir die Nassereither Hütte, kehren aber ausnahmsweise nicht ein.



Nach weiteren 50 Minuten stehen wir vor unserem Etappenziel, dem 2010 neu gebauten Giggelberg Haus auf 1.565 Metern.



Die Bilder der Zimmer und sanitären Einrichtungen im Internet sind wunderschön, leider wurde mir per E-Mail schon mitgeteilt, dass sich unser Doppelzimmer im alten Bauernhaus befindet. Ich melde uns an und bevor wir das Zimmer gezeigt bekommen, müssen wir jetzt und sofort auswählen, was wir zu Abend essen wollen. Das lässt sich trotz Rückfrage nicht auf einen Zeitpunkt nach der Dusche verschieben. Naja. Ich entscheide für mich die Empfehlung und Spezialität des Hauses: Damhirsch Braten mit hausgemachten Spätzlen, Blaukraut und Preiselbeeren. Hmmmmmhhhh!!! Damhirsch ist aus. Ich würde am liebsten zur nächsten Unterkunft weitergehen.

In dieser Nobelherberge sind wir heute untergebracht:



Alt wäre ja sehr reizvoll, wenn es alt wäre. So wurden alte Spanplatten Möbel lieblos in das Zimmer verfrachtet und der Zugang zu dem Zimmer ist abenteuerlich - vor allem, wenn man nachts das Zimmer verlassen muss. Der Zugang zum Zimmer befindet sich direkt im Treppenaufgang.





Die gesprungene Glasscheibe in der Balkontüre wird schon länger mit Klebeband zusammengehalten. Die einzige Dusche im Nebengebäude liefert zumindest heißes Wasser und da wir die ersten sind - es ist erst ca. 15 Uhr - gibt es noch keinen Andrang. Frisch kultiviert meistern wir den sehr schmalen Pfad an der Scheune vorbei zu der Terrasse des Neubaus. Zumindest schmeckt das Radler in der Sonne.

Wir mussten uns nicht nur um 15 Uhr entscheiden was wir am Abend essen möchten, auch die exakte Uhrzeit mussten wir schon angeben. Die zusätzlich bestellte Leberknödelsuppe (ja, ich weiß, schon wieder Leberknödelsuppe) kommt erst nach Reklamation. Das Personal ist alles andere als motiviert. Nachdem es auf der Terrasse kühler wird, verziehen wir uns in den Innenbereich. Obwohl sich immer mehr Gäste in die Betten verabschieden, bleibt die Bedienung verschollen. Fast eine Stunde müssen wir warten, bis wir noch etwas bestellen können. Die Bedienung erklärt uns, dass Sie die Küche reinigen musste. Ohne Kommentar. Um 22:15 Uhr sind wir die letzten Gäste, die sich ins Schlafquartier begeben.

Giggelberg Haus = nicht empfehlenswert

Übrigens: das Doppelzimmer im Neubau kostet 4 Euro mehr als das Loch im Altbau.

3. Tag


Ich bin wieder früh wach. Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Steffi döst noch etwas. Nach einer schnellen Dusche gehen wir zum Frühstücken, das es hier schon ab 6:30 Uhr gibt. Mit dem Frühstück des Vortages kann das Frühstück hier nicht mithalten, vor allem die Brötchen sind alles andere als frisch. Wir sind froh, dass wir hier loskommen.

Nach ca. 45 Minuten erreichen wir die geschlossene Jausenstation Hochforch (1.555 m), die angeblich Samstag Ruhetag hat. Eh zu früh für eine Pause. Also weiter. Auf der Karte sieht der nächste Wegabschnitt unspektakulär aus, wäre da nicht der Hinweis auf die 1000-Stufen-Schlucht. Wir haben die Stufen nicht gezählt, aber der Name kommt schon hin. Erst einige hundert Meter über unzählige Stufen absteigen und dann auf der anderen Seite die Stufen wieder hinaufquälen. Auf halber Strecke wird der Gebirgsbach auf anspruchsvollerem Gelände überquert. In diesem Jahr wurde mit dem Bau einer neuen Hängebrücke begonnen, die den Übergang ein ganzes Stück vereinfacht:



Bei gutem Wetter ist der Weg unproblematisch, Trittsicherheit und konzentriertes Gehen ist aber zwingend erforderlich.



Bereits kurz nach 10 Uhr erreichen wir den Hofschank Pirchhof. Mit viel Aufwand wird rund um den Hof ein Blütenmeer gezaubert:

  



Bei einer nochmaligen Begehung des Meraner Höhenweges würde ich Giggelberg links liegen lassen und bis zum Pirchhof weitergehen.

Die auf dem Weiterweg liegende Jausenstation Galmein ist geschlossen.

Kurz vor 12 Uhr erreichen wir den Berggasthof Linthof in einmaliger Lage oberhalb Naturns und Eingang Schnalstal. Schloss Juval (Sommersitz von Reinhold Messner) liegt einem zu Füßen. Selten einen so schön gepflegten Gasthof gesehen, da müssen wir einfach einkehren. Während ich mir die Bandnudeln mit frischen Pfifferlingen schmecken lasse, entscheidet sich Steffi für einen Sommersalat. Auch hier genießen wir einen Treber Schnaps, bevor wir uns auf den Weiterweg begeben.



Der Gasthof Walde hat heute Ruhetag, aber es liegt ja noch die Jausenstation Kopfron auf dem Weg. Leider ist auch diese Einkehrmöglichkeit geschlossen. Also wandern wir weiter Richtung Katharinaberg zur nächsten Unterkunft. Uns wurde der Montferthof empfohlen, der aber leider schon ausgebucht ist. Im Untervernatschhof, kurz vor dem Montferthof auch direkt am Weg 24 gelegen, bekomme ich noch zwei Betten (Halbpension für 40 Euro pro Person). In Unterperfl trifft man auf die Straße und muss aufpassen, dass die Schilder Meraner Höhenweg einen nicht nach Katharinaberg absteigen lassen. Die Beschilderung des Meraner Höhenweges ist hervorragend - solange man nicht blind oder gedankenversunken unterwegs ist. Immer der 24 folgen ...

  


Blick auf Katharinaberg

An der Abzweigung ist der Untervernatschhof mit 20 Minuten ausgeschildert. Hundert Meter weiter sollen es dann 30 Minuten sein und noch ein Stückchen weiter nur noch 15 Minuten. Es ist sehr warm und der Weg bergauf auf der Teerstraße nicht gerade angenehm. Hoffentlich sind wir bald da. Letztendlich erreichen wir den Hof nach 22 Minuten.


Untervernatschhof, vorne linke der Neubau, hinten rechts das alte Bauernhaus (nur das Dach zu sehen)

Wir melden uns im Neubau an und bekommen dann unser Zimmer im uralten Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert gezeigt. Gegessen wird in der Stube. Der über dem Kachelofen platzierte Fernseher ist irgendwie fehl am Platz. Getränke stehen zur Selbstbedienung in der Stube - natürlich ungekühlt. Lediglich ein Kasten Forst Bier steht im Brunnen vor dem Haus. Als Radler gemixt schmeckt ist es nicht schlecht. Da es - zumindest für Wanderer - keine Alternativen gibt, müssen wir auf die überteuerten Getränke zurückgreifen (0,33 Bier 2,50 Euro, Flasche Limo 5 Euro, Flasche Apfelsaft 7 Euro, ...).

Die Dusche ist überraschenderweise recht neu, sauber und wie an jedem Tag sehr wohltuend. Vor dem Balkon gibt es viel Platz an den Wäscheleinen. Sonne und Wind lassen die Kleidungsstücke und Handtücher schnell wieder trocknen. Gekocht wird von der Bäuerin für alle Gäste und die Schüsseln kommen um 18:30 Uhr auf den Tisch. Zusammen mit vier Berlinern und zwei Münchnerinnen genießen wir das gute Essen (Gemüsesuppe, anschließend drei verschiedene Knödeln mit grünem Salat) und verbringen einen unterhaltsamen Abend. Bauer Alfred ist allerdings ein merkwürdiger Zeitgenosse und viele seiner Äußerungen sind nur mit viel Humor zu ertragen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Gäste er mit seiner speziellen Art schon vergrault hat.

Einige Impressionen von diesem außergewöhnlichen Quartier:

  

  

  

  

  

  

  

4. Tag


Wir haben uns alle für 7:30 Uhr zum Frühstück angemeldet. Bauer Alfred ist heute selbst fürs Frühstück verantwortlich. Neben aufgeschnittenem Speck, Salami und Käse gibt es Butter und abgepackte Marmelade. Trotz der unzähligen Hühner auf dem Bauernhof gibt es kein gekochtes Ei.

Kleine Episode am Rande: im Bauernhaus übernachten noch zwei Italiener. Dafür wird ein eigener Tisch eingedeckt und mit Servietten ausgestattet, denn: ohne Servietten geht bei Italienern gar nichts. Servietten für deutsche Gäste gibt es nicht!

Um 8:20 Uhr verlassen wir den ungewöhnlichen Bauernhof und erreichen kurze Zeit später den Montferthof. Gestern hat der Wetterbericht bereits für den Vormittag Regenschauer angesagt, die aktuelle Prognose meldet erst für den Nachmittag Niederschläge. Wir sind zügig unterwegs und erreichen nach gut zwei Stunden die Vorderkaser Alm mit dem Gasthof Jägerrast auf 1.693 Metern.

Nach einer halben Stunde Pause setzen wir unseren Weg fort und erreichen nach 70 Minuten die Eishof-Alm (2.076 m). Wir setzen uns zu den beiden Münchnerinnen an den Tisch vor der Alm. Wenige Minuten später fängt es erst vorsichtig an zu tröpfeln bevor der Regen immer stärker wird und am Nachmittag auch das ein oder andere Gewittergrollen zu hören ist.


Eishof-Alm am frühen Morgen, die Berge im Hintergrund haben Neuschnee erhalten

Nachdem wir uns gestärkt haben, beziehen wir unser Sechser Zimmer im ersten Stock. Wie es der Zufall so will, werden die anderen vier Betten später von den Berlinern belegt, die wir gestern auf dem Untervernatschhof kennengelernt haben und die später recht durchnässt auf der Alm ankommen. Nach der Dusche fühlen wir uns richtig fit und setzen uns wieder in die schöne Gaststube. Lediglich die Fliegen sind extrem lästig. Die Fliegen scheinen auf dieser Alm so häufig aufzutreten, dass sie im Outdoor Führer erwähnt werden! Gabi hat sich am Nachmittag vorgenommen möglichst viele Fliegen mit der Fliegenklatsche zu erwischen, damit wir in Ruhe Abendessen können - und war dabei sehr erfolgreich.

Nachdem es in den letzten Tagen schon mehrfach auf der Speisekarte aufgetaucht ist, muss ich es heute auf jeden Fall probieren: Ziegenbock Braten mit Bratkartoffeln. Selten so gut gegessen. Zartes Fleisch mit einer leckeren, dunklen Soße. Der Rotwein dazu schmeckt auch sehr gut und mit den Berlinern trinken wir den ein oder anderen Schnaps.

Die beiden Münchnerinnen haben sich entschlossen noch auf die Stettiner Hütte aufzusteigen, da ihnen die nächste Tagesetappe ansonsten zu lange wird. Angeblich soll das Wetter am Spätnachmittag wieder besser werden. Trocken werden Sie die Hütte auf 2.875 Metern aber nicht erreichen.

Wir hatten ursprünglich auch eine Übernachtung auf der Stettiner Hütte gebucht. In der Antwort E-Mail heißt es: Die Hütte wurde im Jahre 2014 von einer Lawine zerstört. Wir führen weiterhin einen Tagesbetrieb mit ganztägig warmer Küche. Da ein Provisorium für Übernachtungen aus organisatorischen Gründen nicht zustande kam, wurde für diese Saison neben einem Mehrbettzimmer ein Zeltcamp eingerichtet. Die Zelte sind mit Liegematte und Schlafsack ausgerüstet. Mitzubringen sind Hüttenschlafsack und Handtuch!
Übernachtung im Zelt? Auf knapp 2.900 Metern? Bei Regen und Gewitter? Damit konnte sich meine Frau nicht anfreunden und wir haben uns daher für die Übernachtung auf der Eishof-Alm entschieden. Da wir für die folgende Nacht noch nicht gebucht haben, können wir es uns offenhalten, wie weit wir am nächsten Tag laufen wollen.

5. Tag


Der Wecker klingelt um 6 Uhr erbarmungslos, aber wir wollen früh aufbrechen, denn es stehen erst einmal 800 Meter Aufstieg bevor. Kurz vor 6:30 Uhr sitzen wir beim Frühstück, das wir heute etwas schneller einnehmen. Um 7:09 Uhr geht es los. Kalt ist es, nur wenige Grad über Null. Wir sind schon viele Höhenmeter hochgestiegen als uns die ersten Sonnenstrahlen treffen uns aber noch nicht wärmen. Ein kalter Fallwind lässt uns dann doch die Fleece Jacke aus dem Rucksack holen. Die Kälte sorgt auch dafür, dass wir zügig aufsteigen und bereits nach zwei Stunden das Eisjöchl (Passo Gelato, 2.895 m) erreichen. Herrlich der Blick auf die Stettiner Hütte und die "Zeltstadt":



Die Plane, auf der die Zelte stehen, ist mit einer Eisschicht überzogen und damit der Weg zur Hütte sehr glatt. Das Außenthermometer zeigt 2 Grad. Uns zieht es daher zum Aufwärmen in die Hütte. Das Provisorium sieht besser aus als erwartet und wir werden später erfahren, dass in der letzten Nacht niemand im Zelt schlafen musste.


Blick zum Eisjöchl

Ein steiler Abschied steht an und wir sind froh die Fleece Jacke am Körper zu tragen. Bis zur Lazinser Alm sind es 1000 Höhenmeter, die wir in 1,5 Stunden bewältigen. Vor der Hütte genießen wir die Sonne, Speckknödelsuppe und Kaiserschmarrn.


Blick zurück zur Stettiner Hütte


Lazinser Alm 1.860 m

Wir überlegen wo wir die letzte Nacht am Meraner Höhenweg verbringen. In Pfelders gibt es mehrere Unterkünfte, aber da sind wir schon in einer Stunde. Die beiden Münchnerinnen haben ein Zimmer im Christlhof gebucht, deshalb sind sie am Vortag auch noch zur Stettiner Hütte aufgestiegen. Wollen wir uns (angegebene) 10 Sunden Gehzeit antun? Wir haben die letzten Tage nie die angegebene Zeit benötigt, aber es würde schon ein langer Tag werden. Wir machen die Entscheidung abhängig von der Verfügbarkeit von zwei Betten im Christlhof. Von Pfelders aus rufe ich an und ja, es ist noch Platz für uns. Entscheidung gefallen. Wir laufen weiter. In Ulfas hoffen wir auf einen Gasthof oder eine Jausenstation, aber leider Fehlanzeige. Wir haben immer noch eine Stunde Gehzeit vor uns und um 17 Uhr erreichen wir glücklich aber auch müde den Christlhof (nach 8 1/4 Stunden reiner Gehzeit).



Unseren Durst stillen wir zuerst mit einem (oder zwei) Radler. Wir bekommen ein schönes Zimmer im ersten Stock, das zu einer Ferienwohnung gehört, aber offensichtlich nicht mehr als Ferienwohnung genutzt wird. Leider ist das Wasser in der Dusche (besser gesagt in einer Badewanne ohne Spritzschutz) nicht sehr heiß, aber trotzdem wohltuend. Frisch kultiviert begeben wir uns in die Gaststube. Die Überraschung und Freude ist groß, als die beiden Münchnerinnen Mona und Dagi kurze Zeit später zu uns stoßen.

6. Tag


Wir haben heute nur noch eine recht kurze Wanderung vor uns - geschätzte 2 bis 2,5 Stunden. Mona und Dagi müssen noch bis Hochmuth und wollen daher um 7 Uhr frühstücken. Wir schließen uns an und stellen den Wecker auf 6:40 Uhr. Es gibt guten Speck, ein großes Stück Käse und selbstgemachte Marmelade. Nach einem Gruppenbild starten wir kurz nach 8 Uhr zu unserer letzten Etappe bei herrlichem Bergwetter.


Uli, Dagi, Steffi und Mona

Nach zwei Stunden erreichen wir unseren Ausgangspunkt, den Gasthof Magdfeld, der heute leider Ruhetag hat. Wir verabschieden uns von Mona und Dagi, die noch einige Stunden Gehzeit vor sich haben. Wir ziehen die Wanderschuhe aus und werfen die Rucksäcke ins Auto. In Marling verbringen wir noch einige Tage im Landgasthof Kristall und genießen Sonne, Schwimmbad, Sauna und das gute Essen.

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
16. August 2017
8:17Gasthof Magdfeld 1.102m 
9:50Vernuer (Gasthof Brunner) 1.100m1° 33'
10:19Bergrast2° 02'
10:23Rast, weiter um 10:452° 06'
11:25Longfallhof 1.075m, weiter um 12:053° 08'
13:08Talbauerhof 1.209m, weiter um 13:564° 11'
14:17Gasthof Hochmuth 1.400m4° 32'
Angegebene Gehzeit zwischen 6 und 7 Stunden

UhrzeitBeschreibungGehzeit
17. August 2017
8:41Gasthof Hochmuth 1.400m 
9:30Leiteralm 1.522m, weiter um 10:020° 49'
11:10Hochganghaus 1.839m, weiter um 11:441° 57'
12:23Kreuz, weiter um 12:302° 36'
12:57Tablander Alm 1.788m, weiter um 13:502° 53'
14:30Nassereither Hütte 1.523m3° 33'
15:20Berggasthof Giggelberg 1.565m4° 13'
Angegebene Gehzeit zwischen 6,5 und 7,25 Stunden

UhrzeitBeschreibungGehzeit
18. August 2017
8:15Berggasthof Giggelberg 1.565m 
8:58Hochforch (geschlossen) 1.555m0° 43'
10:10Pirchhof 1.445m, weiter um 10:501° 55'
11:48Gasthof Lint 1.484m, weiter um 12:532° 50'
14:37Untervernatschhof 1.500m4° 33'
Angegebene Gehzeit zwischen 6,25 und 7 Stunden

UhrzeitBeschreibungGehzeit
19. August 2017
8:25Untervernatschhof 1.500m 
9:32Gasthaus Nassreidhof (Abstieg möglich)1° 07'
10:34Jägerrast (Voderkaser) 1.693m, weiter um 11:042° 09'
11:44Mitterkaser 1.954m2° 19'
11:56Rableid-Alm 2.004m2° 31'
12:16Eisjoch-Alm 2.076m2° 51'
Angegebene Gehzeit zwischen 3,5 und 4,25 Stunden

UhrzeitBeschreibungGehzeit
20. August 2017
7:09Eisjoch-Alm 2.076m 
9:12Eisjöchl (Passo Gelato) 2.895m2° 03'
9:20Stettiner Hütte 2.875m, weiter um 10:032° 11'
11:38Lazinser Alm 1.860m, weiter um 12:313° 46'
12:48Lazinser Hof 1.782m4° 04'
13:06Zeppichl4° 22'
13:20Pfelders 1.628m4° 36'
14:03Bergkristall 1.550m5° 19'
16:00Ulfas7° 16'
17:01Unterchristlhof 1.132m8° 20'
Angegebene Gehzeit zwischen 9,5 und 11 Stunden

UhrzeitBeschreibungGehzeit
21. August 2017
8:03Unterchristlhof 1.132m 
10:07Gasthof Magdfeld 1.102m2° 04'
Angegebene Gehzeit zwischen 2,75 und 3,5 Stunden

Laut Angaben im Internet betragen die Gehzeiten für den kompletten Meraner Höhenweg zwischen 34,5 und 40 Stunden. Wir haben für die sechs Tage insgesamt 26,5 Stunden benötigt.

GPS Daten

Die Tour wurde mit einem GPS Logger (Columbus V990) aufgezeichnet. Diese Daten können direkt in Google Earth geöffnet werden:

Meraner Höhenweg 1. Tag
Meraner Höhenweg 2. Tag
Meraner Höhenweg 3. Tag
Meraner Höhenweg 4. Tag
Meraner Höhenweg 5. Tag
Meraner Höhenweg 6. Tag