Logo

Tannheimer Tal September 2019

Mit Freunden haben wir uns am ersten September Wochenende im Tannheimer Tal verabredet. Wir wollen bereits zwei Tage vorher anreisen, um das wohl schönste Hochtal Europas zu genießen - wer auch immer diese Auszeichnung vergeben hat.

In den letzten Jahren war ich oft in den Tannheimer Bergen unterwegs und kenne dort (fast) alle Hütten und Wege. Meine Lieblingshütte, die Tannheimer Hütte, ist leider bereits seit einigen Jahren wegen Behördenauflagen geschlossen. Hoffentlich findet die Sektion Allgäu-Kempten bald eine Lösung, um die Hütte (ein Neubau ist in Gespräch) schnellstmöglich wieder zu öffnen.

Der Wetterbericht für die geplanten Tage ist mit Ausnahme des Anreisetages sehr schlecht. Also um 5 Uhr aufstehen und ab Richtung Süden. Neben dem Allgäu ist das Tannheimer Tal für uns in drei bis vier Stunden (knapp 400 Kilometer) erreichbar. Bereits um 9:30 Uhr parken wir am Hotel Bergblick in Grän, unserem Quartier für die nächsten Tage. An der Rezeption lasse ich mir bereits die Gästekarten ausstellen. Als besonderen Service bietet das Tannheimer Tal ihren Gästen die kostenlose Nutzung von Bussen und Bergbahnen mit der Gästekarte an.

Ein strahlendblauer Himmel, der uns auch den ganzen Tag begleiten wird, steigert die Vorfreude auf die Tour zum Aggenstein. Das Ziel ist bereits vom Hotel aus zu sehen:


Aggenstein, im roten Kreis die Bad Kissinger Hütte

Der Wegweiser am Wanderparkplatz (wenige Gehminuten vom Hotel entfernt) gibt 2,5 Stunden für den Aufstieg zur Bad Kissinger Hütte an. 2,5 Stunden für ca. 600 Höhenmeter? Das kann ich mir nicht vorstellen. Kurz vor 10 Uhr starten wir mit leichtem Tagesrucksack durch den Wald und erreichen nach 1,5 Stunden die Bad Kissinger Hütte:


hinter der Hütte ist das Gipfelkreuz des Aggensteins bereits zu sehen

Auf der Sonnenterrasse genießen wir den Ausblick und ein erfrischendes Getränk, bevor wir uns auf den Weg zum Gipfel des Aggensteins machen. Der Wegweiser gibt 45 Minuten für den Aufstieg an. Viele Gleichgesinnte nutzen diesen herrlichen Tag und im oberen, mit Drahtseilen gesicherten Steig kommt es zu Staus. Für manchen Wanderer dürfte es der erste Kontakt mit Seilversicherungen am Berg sein. Dementsprechend unsicher und langsam sind einige unterwegs. Nach nicht einmal 30 Minuten stehen wir auf dem Gipfel des Aggensteins 1.985m.



Die Sicht an diesem Tag ist phantastisch. Die Allgäuer Alpen sind zum Greifen nah und die Hauptgipfel im Tannheimer Tal, die ich alle schon bestiegen habe, zeigen sich im Südosten:


Gipfel von links: Zugspitze, Große Schlicke, Gehrenspitze, Köllenspitze, Gimpel, Rote Flüh, im roten Kreis die Seebenalpe (nicht bewirtschaftet)
auf das Bild klicken, um dieses in voller Größe zu laden

Auf dem Hauptgipfel ist viel los und wir genießen die Aussicht auf dem Nebengipfel. Nach einer Stunde steigen wir wieder zur Bad Kissinger Hütte ab. Wir löschen unseren Durst bevor wir uns auf den Weiterweg machen. Wir könnten wieder nach Grän absteigen. Unser Ziel ist aber das Füssener Jöchl, das laut Beschilderung in 1 1/4 Stunden erreichbar sein soll. Die Zeitangaben auf den Schildern waren bisher für unser Gehtempo zu hoch angesetzt, also gehen wir davon aus, dass wir in einer Stunde am Ziel sind. Vorbei an der nicht bewirtschafteten Seebenalpe erreichen wir nach 70 Minuten das Füssener Jöchl. Soweit zu den Zeitangaben auf den Wegweisern ...

Auf der Sonnenalm, die direkt neben der Bergstation liegt, ist sehr viel los. Die Terrasse ist rundherum mit Glasscheiben vor Wind geschützt. Im Winter wird dies von den Skifahrern sicherlich geschätzt, im Sommer kommt man sich da eher eingepfercht vor. Wir fahren daher gleich mit der Sechsergondel ins Tal und laufen in knapp 20 Minuten zurück zum Hotel.

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
Mittwoch, 4. September 2019
9:51Hotel Bergblick 
11:19Bad Kissinger Hütte 1.788m, bis 12:071° 28'
12:31Aggenstein 1.985m, bis 13:301° 52'
13:53Bad Kissinger Hütte, bis 14:302° 15'
14:57Abzweigung nach Grän2° 42'
15:03Seebenalpe2° 48'
15:37Sefensattel3° 22'
15:50Füssener Jöchl 1.818m, Bergstation Gondelbahn3° 35'



Quelle: Open Street Map, auf das Bild klicken, um dieses in voller Größe zu laden



Otto-Mayr-Hütte


Ab Donnerstag meldet der Wetterbericht Regen - und sollte damit Recht behalten. Am Freitag soll es trocken bleiben, allerdings stark bewölkt und sehr kühl. Nach einem ausgiebigen Frühstück entscheiden wir uns für eine Wanderung zur Otto-Mayr-Hütte. Sicherheitshalber packen wir Regenschutz in den Rucksack und nutzen die Gondelbahn zum Füssener Jöchl. Von der Bergstation auf 1.818m ist die Otto-Mayr-Hütte in in einer Stunde erreichbar. Wir starten bei dichtem Nebel und einstelligen Temperaturwerten. Das Reintaler Jöchle ist in 10 Minuten erreicht. Von hier aus könnte man den Gipfel des Schartschrofen einfach erreichen (von Süden führt der Friedberger Klettersteig auf den Gipfel des Schartschrofens), aber bei nicht vorhandener Sicht lohnt sich dieser Umweg nicht. Wir steigen daher ab. Nach 30 Minuten bieten sich zwei Alternativen für den Weiterweg an. Wir entscheiden uns für den direkten Abstieg und erreichen nach insgesamt 45 Minuten die auf 1.530 Meter gelegene Otto-Mayr-Hütte. Ich freue mich schon auf die Hüttenwirtin Petra, die ich bereits von der Tannheimer Hütte und später der Otto-Mayr-Hütte in sehr guter Erinnerung habe. Wir sind die ersten Gäste an diesem Tag in der Hütte. Von Petra und ihrem Mann Gerhard ist nichts zu sehen. Nutzen sie eventuell den Schlechtwettertag zu Einkäufen im Tal? Sind sie vielleicht nicht mehr Pächter der Hütte? Letzteres finde ich später durch Internet Recherche heraus. Die Pächter konnten sich mit der Sektion Augsburg nicht auf Pacht und Vertragsrahmen einigen und haben daher Ende 2018 aufgehört. Petra und Gerhard sind jetzt auf der Alpe Sonthofener Hof als Hüttenwirte tätig.


links im roten Kreis das Dach der Willi-Merkl-Hütte (Selbstversorger Hütte), vorne die Füssener Hütte, hinten die Otto-Mayr-Hütte

Nach einer 3/4 Stunde Rast begeben wir uns auf den Rückweg zum Füssener Jöchl. Ein kurzer Stopp in der Sonnenalm? Das kühle, neblige Wetter hat uns selbst beim Aufstieg nicht wirklich ins Schwitzen gebracht. Wir entscheiden uns daher für die Abfahrt mit der Gondelbahn ins Tal und legen die letzten knapp 20 Minuten zu Fuß zum Hotel zurück. Der Dorfbus, den wir letztes Jahr vom Winterurlaub in Erinnerung haben und der direkt vor dem Hotel Bergblick hält, fährt im Sommer nicht.

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
Freitag, 6. September 2019
11:00Füssener Jöchl 1.818m 
11:10Reintaler Jöchle, Abzweigung zum Schartschrofen0° 10'
11:18Abzweigung Große Schlicke0° 18'
11:30Abzweigung oberer Weg zur Otto-Mayr-Hütte0° 30'
11:46Otto-Mayr-Hütte 1.530m, bis 12:280° 46'
12:46Abzweigung oberer Weg zur Otto-Mayr-Hütte1° 04'
13:02Abzweigung Große Schlicke1° 20'
13:11Reintaler Jöchle, Abzweigung zum Schartschrofen1° 29'
13:22Füssener Jöchl 1.818m, Bergstation Gondelbahn1° 40'



Quelle: Open Street Map, auf das Bild klicken, um dieses in voller Größe zu laden



Landsberger Hütte


Auch am Samstag hält sich das Wetter an den Wetterbericht. Im Hotel bleiben? Lesen? Karten spielen? Nein, wir sind zum Wandern ins Tannheimer Tal gekommen. Also Regenjacke und Regenschirme einpacken und los geht's. Mit dem Auto fahren wir die wenigen Kilometer zur Talstation der Neunerköpfle (3 Euro Parkgebühren für die Tageskarte). Mit der 8er Gondel (kostenlos mit Gästekarte) geht es zur Bergstation auf 1.791 Meter. Unser Ziel ist die Landsberger Hütte, die wir laut Wegweiser in ca. 2 1/4 Stunden erreichen werden. Nach einer halben Stunde Gehzeit ein weiteres Schild: noch 2 Stunden. Sind wir so langsam? Hindert uns der Regen am zügigen Vorankommen? Der Regen hat den Weg sehr aufgeweicht und einige Abschnitte sind sehr rutschig. Da ist konzentriertes Gehen erforderlich. Erst am kleinen See unterhalb der Landsberger Hütte sehen wir das Tagesziel zum ersten Mal. Von der Bergstation haben wir zwei Stunden gebraucht. Die Angaben auf den Schildern passen nicht so ganz.

Unerwarteterweise ist in der Hütte viel los. Wir stärken uns und nach einer guten Stunde Pause steigen wir Richtung Vilsalpsee ab. Am Traualpsee legen wir einen kurzen Stopp ein, um das mitgebrachte Dopingmittel zu genießen:



Nach 1,5 Stunden kommen wir an der Bushaltestelle Vilsalpsee an. Gutes Timing, denn der nächste Bus fährt in zwei Minuten ab. Die Gästekarte gilt für diese Buslinie unverständlicherweise nicht. Für die kurze Fahrtstrecke von 4 km nach Tannheim berappen wir 3,80 pro Person. Zurück am Hotel zeigt sich sogar die Sonne kurz hinter einem Schleier und auf der Terrasse nehmen wir noch einen Trink, bevor es in die Sauna oder direkt zum Duschen geht.

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
Samstag, 7. September 2019
10:50Bergstation Neunerköpfle 1.791m 
12:51Landsberger Hütte 1.805m, bis 14:012° 01'
15:35Vilsalpsee3° 35'



Quelle: Open Street Map, auf das Bild klicken, um dieses in voller Größe zu laden