Klettern Arco 2015

Vor zwei Jahren war ich schon von den unzähligen Sportkletterrouten rund um Arco begeistert und als Alternative zu der im Juni ins Wasser gefallenen Tour in die Loferer Steinberge fahren wir vom 27. September bis 3. Oktober nach Arco. Auch dieses Jahr haben wir uns wieder in das Guesthouse II in Chiarano (gehört zu Arco) eingebucht - und haben zufälligerweise dieselbe Ferienwohnung bekommen. Auf den Parkplatz im Innenhof verzichten wir dieses Jahr. Das liegt sicherlich nicht an den Mehrkosten von 5 Euro pro Tag, sondern an den sehr beengten Verhältnissen. Der öffentliche Parkplatz ist nur 350 Meter entfernt.


Die kleine, schlagfertige Klettergruppe Marlen, Olaf, Johannes und Uli (am Croz de le Niere)

Sonntag, 27. September 2015


Pünktlich um 5 Uhr starten wir in Johannesberg und es stellt sich wieder einmal heraus, dass sich der frühe Sonntag Morgen am besten für die lange Anreise in den Süden eignet. Nach einem Frühstück im Rasthof Holledau fahren wir zügig über den Brenner und verlassen bei Rovereto die Autobahn. Die Vorfreude auf ein paar schöne Klettertage steigt. Wir laden das Fahrzeug aus, beziehen die Ferienwohnung, um schon kurz danach die Rucksäcke zu schultern. Das erste Kletterziel Placche di Baone ist in wenigen Gehminuten erreicht. Fast alle Routen sind belegt. Wir wechseln von der Sektion Ondulina in die Sektion Attimo Fuggente. Der erste Haken ist weit entfernt, aber die geneigte Platte ist technisch nicht schwierig (3a bis 4a) und lädt gleich zur ersten Mehrseillängenroute ein.


Eingebohrte Routen in den beiden roten Bereichen


Montag, 28. September 2015


Wie schreibt der Kletterführer zu Muro dell'asino: "... die leichtesten Routen im Sarcatal ...". Warum nicht? In wenigen Minuten fahren wir mit dem Auto nach Laghel und parken an der kleinen Kirche St. Maria di Laghel und folgen dem Wanderweg zum Cima Colodri. Nach knapp 20 Minuten Aufstieg erreichen wir über Treppenstufen das Klettergebiet. Das im Kletterführer eingezeichnete WC ist inzwischen dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Wir starten in der Sektion La Placca mit Routen im Bereich 4c bis 5c. Der Fels ist sehr fest und hervorragend abgesichert.

Die Schuppe in der Route Austriaca puro Latte (5b) in der Sektion Passera sollte nicht unterschätzt werden!


Tafel mit den Kletterrouten


Zum Abschluss stehen noch die 5a Routen Il Maniaco del Bosco (18) und Prime Esperienze (19) an, die sich denselben Einstieg teilen.

Dienstag, 29. September 2015


Wir nutzen das geniale Wetter für mein persönliches Highlight: die 450 Meter Mehrseillängenroute Via Rita in den Sonnenplatten (Parete Zebrata). Die Angaben zur Schwierigkeit schwanken. Meistens 4 oder leichter. Da die Route sehr beliebt ist, sind einige Stellen inzwischen abgespeckt und dürften mit 5 bewertet werden. Die anspruchsvollste Stelle (zumindest aus meiner Sicht) ist die letzte Platte vor dem Ausstieg.


Der obere Teil der Via Rita (rot markiert), links der ungefähre Verlauf (blau markiert) der 46° Parallelo



13 genussvolle Seillängen bei besten Bedingungen führen durch die Sonnenplatten. Wir sind zu dritt unterwegs, d.h. aber auch, dass wir mit zwei Halbseilen klettern und ein Überschlagklettern damit nicht möglich ist. Kompliment an Johannes für den souveränen Vorstieg. Natürlich braucht man zu dritt mehr Zeit und nach gut fünf Stunden stehen wir glücklich und zufrieden am Ausstieg. Nach dem Abstieg freuen wir uns auf ein kühles Bier in der nahegelegenen Bar - die leider dienstags geschlossen hat.

Für die Route werden ausschließlich Expressen benötigt (10 reichen aus). Friends und Keile machen sich vielleicht gut auf dem Foto, kommen aber nicht zum Einsatz.


Am Ausstieg der Via Rita

Mittwoch, 30. September 2015


Wir starten im Klettergebiet Marmitte dei Giganti. Von Nago führt die Straße Richtung Tobole. Nach der ersten Kehre befindet sich ein kleiner Parkplatz. Ein paar Meter folgt man der stark befahrenen Straße, bevor der Weg nach rechts zum Kletterfelsen abzweigt. Es empfängt uns eine riesige Gletschermühle - ein Naturphänomen aus der Eiszeit.


Die Eisenleiter rechts führt zu einer kleineren Gletschermühle. Hinter der Tafel die Gletschermühle und ein kleines Tunnelsystem. Die wenigen Routen sind von dem Olivenbaum verdeckt.

Der obere Sektor ist nicht sehr ergiebig und nach zwei Routen verlassen wir den Felsen wieder. In der an der Straße gelegenen Bar trinken wir einen Cappuccino bevor wir zurück nach Nago fahren und zum sehr schönen Klettergebiet Belvedere aufzusteigen. Nomen est omen! Die Aussicht auf den Gardasee ist traumhaft und es bieten sich viele Routen in den unteren Schwierigkeitsstufen an.

Vorgelagert zum Sektor B finden sich mehrere, neu abgesicherte, kurze Routen in sehr löchrigem Fels. Man gewinnt den Eindruck, dass eine Begehung mit den vielen Vertiefungen problemlos möglich ist. Die Griffe sind allerdings teilweise abwärts geneigt und bieten weniger Halt als erwartet. Zum Warmklettern machen die Routen trotzdem Spaß.



Im Sektor A grasen wir die Routen 13 bis 20 ab. Recht einfache Kletterei in den Schwierigkeiten 3c bis 4b+, hervorragend zum Vorstiegsklettern geeignet (Höhe: 10 bis 12 Meter).

Donnerstag, 1. Oktober 2015


Heute steht das Klettergebiet Croz de le Niere auf dem Programm, auch wenn wir hier erst 45 Minuten mit dem Auto unterwegs sind.



Mit dem Auto fährt man direkt an den Einstieg. Ein positives Highlight: ein kleiner Brunnen zum Erfrischen und Reinigen der Hände nach dem Klettern. Mein persönlicher Favorit ist die Route La Volpe (4c, Nummer 7) in Verbindung mit La Volpe 2 (4b). Zwei Seillängen mit 26 und 20 Metern.


In der Bildmitte führt die Route La Volpe in zwei Seillängen bis unter das Dach

Ausprobiert haben wir dieses Jahr auch zwei Routen in der Sektion Formica im oberen Bereich, die man über einen Klettersteig erreicht: Sabato (4b) und Emmental (4a). Scheinbar werden diese Routen eher selten begangen. Der Fels ist noch sehr scharfkantig und nicht abgespeckt.

Freitag, 2. Oktober 2015


Wohin am letzten Klettertag, wenn der Wetterbericht für den Nachmittag Regen gemeldet hat? Wir entscheiden uns für eine große Platte mit Mehrseillängenrouten: Corno di Bo'. Problematisch ist vor allem die Parksituation. Von Torbole kommend der Straße Richtung Verona-Malcesine folgend durch einen ersten Tunnel. Vor dem nächsten Tunnel befindet sich das Klettergebiet (und nicht wie im Kletterführer beschreiben nach dem Tunnel). Allerdings gibt es vor dem Tunnel keinen Parkplatz. Direkt nach dem Tunnel befindet sich rechts eine Parkbucht für zwei Fahrzeuge. Wir haben Glück und der Parkplatz ist frei. Um zu den Routen zu kommen, muss man leider durch den dunkeln, unbeleuchteten Tunnel laufen. Nicht ganz ungefährlich! Die Routen sind nicht schwierig, es braucht aber vor allem in den 5a Seillängen ein gehöriges Vertrauen in die Griffigkeit der Klettersohlen. Nach fünf Seillängen sind wir am höchsten Punkt angelangt. Das Abseilen macht Spaß. Was muss das erst ein Vergnügen sein hier bei Sonnenschein unterwegs zu sein? Direkt am Gardasee gelegen ist das sicherlich ein Genuss.


4 Seillängen führen bis direkt unterhalb des Mastes. Die beiden 4b Routen an der kleinen Platte rechts sind nicht lohnenswert. In der linken Route fehlen sogar zwei geschraubte Haken.

Rechtzeitig vor dem Regen sind wir wieder im Quartier. Nach einer Dusche nutzen wir den Nachmittag zum Shoppen in Arco. Hier reiht sich ein Kletterladen an den anderen und wir erstehen das ein oder andere Schnäppchen!