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Sextener Dolomiten

Wer kennt Sie nicht - die Drei Zinnen?


Die Drei Zinnen Nordwände im Abendlicht

Nach einer langen Anreise (ca. 650km) über den Brenner und das Pustertal lassen wir das Auto auf dem großen, kostenpflichtigen Parkplatz im Fischleintal (am Hotel Dolomitenhof) stehen. Nach dem schlechten Wetter der Vorwoche, verspricht der Wetterbericht für die nächsten Tage traumhaftes Wetter mit viel Sonnenschein - der Wetterbericht sollte Recht behalten.

Die erste Nacht verbringen wir auf der Dreizinnenhütte. Aus dem Schlafraum haben wir direkten Blick auf die Nordwände. Gleich hinter der Hütte kann man am Toblinger Knoten erste Klettersteiggefühle genießen. Über den Leiternsteig erreicht man schnell den Gipfel und genießt die Aussicht auf die Drei Zinnen, den Paternkofel und die ganze Sextener Dolomiten Runde.


am Gipfel Toblinger Knoten, rechts der Paternkofel

Am nächsten Tag steht der Paternkofel auf dem Programm. Vorbei an einer markanten Felsformation - Frankfurter Würstl genannt - erreicht man schnell den Eingang zu dem Stollensystem aus dem 1. Weltkrieg. Die ersten Tunnel sind noch kurz und es fällt genügend Tageslicht ein, aber schon bald erreicht man einen steilen Tunnel, für den Taschenlampen zwingend erforderlich sind. Am Ende des Tunnelsystems beginnt der versicherte Klettersteig auf den Paternkofel. Nach der Gamsscharte ist noch ein kurzer, gut versicherter Wandteil zu überwinden (es gibt zwei Varianten), der Rest ist Gehgelände im Schotter und Fels.


Normalweg grün, rechts von der Gamsscharte kommend, Variante gelb, Vorsicht! Steigspuren rot nicht folgen, blaue Route führt weiter zum Büllelejoch.


Gipfel Paternkofel

alte Brücke

neue Brücke

Auf dem Schartenweg geht es weiter zur Büllelejochhütte:



Ein paar Minuten hinter der Büllelejochhütte besteht noch die Möglichkeit auf einem versicherten Steig Richtung Zwölferscharte zu wandern. Beim Abstieg zur Zsigmondy Hütte hat man den Elferkofel und den darin angelegten Alpinisteig ständig vor den Augen.


Elfer mit Alpiniweg und Zsigmondy Hütte (roter Kreis)


Zsigmondy Hütte

Wieder beginnt der neue Tag mit herrlichem Bergwetter. Von der Zsigmondy Hütte hat man einen wunderschönen Blick auf den Zwölfer. Vorbei am Zwölfers queren wir Richtung Elfer. Unterhalb des Giralba-Jochs geht es ins Innere Loch.


Der Zwölfer im Morgenlicht

Auf mit Drahtseilen gesicherten Bändern bewegt sich der Alpiniweg ohne großen Höhenunterschiede. Schon bald kommt man in die Schlucht, die das obligatorische Foto mit der Silhouette ermöglicht. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man die Zsigmondy Hütte und die Drei Zinnen, die aus dieser Perspektive wie ein einzelner Berg aussehen.


Die berühmte Silhouette am Alpiniweg
 
Zsigmondy Hütte und Drei Zinnen

Ohne Schwierigkeiten quert man die Südwest Abstürze des Elfers bis zur Elferscharte. Von dort genießt man einen herrlichen Blick auf die Drei Zinnen und weitere Dolomitengipfel:


1-Monte Cristallo, 2-Mittlere Zinne, 3-Westliche Zinne, 4-Paternkofel, 5-Oberbachernspitze, 6-Einser

Nach einer Rast an der Elferscharte führt der Klettersteig durch die Nordabstürze des Elfers bis zur Sentinallascharte. Der in der letzte Woche gefallene Neuschnee hat sich an manchen Stellen inzwischen in Blankeis verwandelt. Zum Glück befinden sich an allen vereisten Stellen Seilversicherungen!



Weiter geht es über eine Leiter und ein paar versicherte Kletterstellen. Wir sind froh, an der Sentinella Scharte wieder in die Sonne zu kommen und die Wärme aufzusaugen. Nach einer Pause könnten wir in Ruhe zum Rifugio Berti absteigen. Aber es ist erst Mittagszeit und die Sextener Rotwand lockt - immerhin ein Klettersteig, der mit K5 bewertet ist. Ich bin den Klettersteig schon vor 16 Jahren gegangen und war begeistert. Von der Sentinella Scharte geht es erst einmal steil im Geröll bergab, bevor der Weg links zum Einsteig des Zandonella Klettersteigs abzweigt. In einer Höhle deponieren wir unsere schweren Rucksacke und packen nur die nötigsten Utensilien ein. Der feste und griffige Fels macht einfach Spaß. Vorbei an einer alten Stellung aus dem 1. Weltkrieg ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel, den wir vollkommen alleine genießen können.


Leiter an der Nordseite des Elfers
 
Auf dem Gipfel der Sextener Rotwand

Als Abstieg wählen wir den Südostabstieg. Ursprünglich hatte ich vor, über den einfachen (K2) Rotwand Klettersteig abzusteigen und über die Sentinella Scharte zurückzukehren, aber diese Variante hätte zu viel Zeit verschlungen. Der Südostabstieg ist sehr steil und führt in das Ostkar der Rotwand, das man auf Steigspuren quert. Auf der Gegenseite geht es hinauf in eine kleine Scharte und gleich wieder hinab in eine sehr steile Schlucht. Der Abstieg durch das unangenehme Geröll erfordert viel Konzentration und Kraft. Zurück bei den Rucksäcken in der Höhle sehen wir bereits unser Ziel, aber bis zum Rifugio Berti sind noch viele hundert Höhenmeter abzusteigen. Hängt es mit dem Ende der Saison zusammen? Die Freundlichkeit im Rifugio Berti ließ auf jeden Fall sehr zu wünschen übrig.


Abstieg im steilen Geröll

Am vorletzten Tag stehen die beiden Klettersteige Via ferrata Roghel und Via ferrata Cengia Gebriella an, die normalerweise immer zusammen begangen werden. Vom Rifugio Berti geht es erst einmal ein Stück abwärts, bevor man steil und zügig Richtung Einstieg unterwegs ist.


Rifugio Berti (roter Kreis), Rifugio Sala (blauer Kreis, Ruine), Arzalpensattel (roter Pfeil, Forcella Popera)

Der Via ferrata Roghel ist mit K5 bewertet. Einige Stellen müssen mit Muskelkraft am Sicherungsseil überwunden werden.


Via ferrata Roghel - Kraftakt
 
Via ferrata Roghel - Abstieg am Seil

An der kleinen Scharte Forcella fra le Guglie auf ca. 2.560m wird kurz gerastet, bevor es gut gesichert steil Richtung Talkessel geht. Nach dem Ausstieg genießen wir am Ende des Geröllfelds die September Sonne (roter Kreis).


Abstieg Via ferrata Roghel in den Stalata Kessel
 
Am Via ferrata Cengia Gabriella

Das letzte Übernachtungsziel ist schon zu sehen, aber ein Bergschuh hält nicht mehr durch. Die Sohle löst sich vom Schuh und wird mit einer Reepschnur notdürftig repariert:



Am Ende des Klettersteigs erwartet uns noch ein "Highlight" - der Abstieg durch ein äußerst steiles Geröllfeld. Ursprünglich waren im Felsen Drahtseile angebracht. Diese wurden inzwischen aber vollständig abgebaut und liegen verrostet am Ende der Schlucht. Auch hier ist wieder viel Gleichgewichtsgefühl und Konzentration erforderlich. Befinden sich mehrere Partien in der Schlucht, ist die Steinschlaggefahr extrem hoch.

Ein letzter Gegenanstieg und kurz vor 17 Uhr gelangen wir (zumindest die ersten beiden) zum Rifugio Carducci. Wir genießen das erste Radler und das zweite und das dritte ...
Eine Hütte, die ich sehr empfehlen kann. Endlich einmal ein sehr freundlicher Hüttenwirt, der seinen Job noch als Berufung sieht. Eine heiße Dusche (5 Euro) belebt den Körper bevor wir das Abendessen (Spezialität des Hauses: drei verschiedene, selbst gemachte Knödel) in der mit Holzofen angenehm beheizten Hütte genießen.


Steile Geröllschlucht, Ende Klettersteig Gabriella
 
Rifugio Carducci

Kurz bevor die Dunkelheit einsetzt beginnen die Dolomiten rot zu leuchten:



Nach dem Frühstück geht es hoch zum Giralba Joch, bevor auf der anderen Seite der 900 Höhenmeter Abstieg ansteht. An der (fast) auf dem Weg liegenden Zsigmondy Hütte genießen wir die Morgensonne und ein kühles Getränk. Viele Tageswanderer kommen uns an dem diesem Tag entgegen. Eine letzte Rast an einem Bachlauf, ein Kleinigkeit essen an der Talschlusshütte und fünf herrliche Tage in den Sextener Dolomiten neigen sich dem Ende zu.


Uli, Patrizia, Volker und Thomas

Hinweise

  • 10 Tage Vignette Autobahnen Österreich 7,90 Euro
  • Brenner 8,00 Euro
  • Autobahngebühr vom Brenner bis Bruneck/Pustertal: 2,60 Euro
  • Parken im Fischleintal am Dolomitenhof für 3 Euro pro Tag
  • Matratzenlager 10 Euro (in 4-Bett Zimmern 12 Euro) für AV-Mitglieder
  • Bier bzw. Radler 0,4l kostet auf allen Hütten 4,20 Euro

Gehzeiten

UhrzeitBeschreibungGehzeit
19.09.2010
12:38Fischleintal, Parkplatz am Dolomitenhof 
13:05Talschlusshütte0° 27'
15:07Drei-Zinnen-Hütte 2.438m2° 29'
19.09.2010 Klettersteig
16:10Drei-Zinnen-Hütte 2.438m 
16:47Toblinger Knoten 2.617m, Pause bis 17:060° 37'
17:27Drei-Zinnen-Hütte 2.438m0° 58'
20.09.2010
8:30Drei-Zinnen-Hütte 2.438m 
8:45Frankfurter Würstl (nach Verhauer)0° 15'
10:18Paternkofel, 2.744m, Pause bis 11:501° 48'
12:08Gamsscharte2° 06'
13:41Büllelejochhütte 2.528m, Pause bis 14:563° 39'
15:06Joch, Pause bis 16:543° 49'
17:31Zsigmondyhütte 2.224m4° 26'
21.09.2010
8:13Zsigmondyhütte 2.224m 
8:50Abzweigung Forcella Giralba0° 37'
9:34Anseilen, Pause bis 9:461° 21'
11:10Elferscharte, Pause bis 11:392° 45'
12:38Sentinellascharte 2.717m, Pause bis 13:033° 44'
14:50Sextener Rotwand 2.936m, Pause bis 15:335° 31'
18:50Rifugio Berti 1.950m8° 48'
22.09.2010
8:13Rifugio Berti 1.950m 
9:54Einstieg Via Ferrata Roghel1° 41'
11:16Forcella fra le Guglie 11:16, Pause bis 11:393° 03'
12:10Pause nach Abstieg bis 12:403° 34'
14:59Südlichster Punkte Gabriella5° 53'
16:19Ende der steilen Schlucht7° 17'
16:34am Weg7° 32'
16:55Rifugio Carducci 2.297m7° 53'
23.09.2010
8:53Rifugio Carducci 2.297m 
9:18Forcella Giralba 2.431m0° 25'
9:56Zsigmondyhütte 2.224m, Pause bis 10:401° 03'
11:27Pause am Bachlauf bis 12:191° 50'
12:28Talschlusshütte 1.548m, Pause bis 13:071° 59'
13:34Fischleintal, Parkplatz am Dolomitenhof2° 26'


GPS Daten

Die Tour wurde mit einem GPS Logger (Holux M-241) aufgezeichnet. Diese Daten können direkt in Google Earth geöffnet werden!

19.09.2010 Aufstieg zur Drei-Zinnen-Hütte
20.09.2010 Paternkofel, Büllelejochhütte, Zsigmondyhütte
21.09.2010 Alpiniweg, Sextener Rotwand, Berti Hütte
22.09.2010 Klettersteige Roghel und Gabriella, Carducci Hütte
23.09.2010 Abstieg ins Fischleintal