Allgäu Juli 2018

Klaus und ich haben unserem Freund Edwin zum Geburtstag eine Bergtour geschenkt. An diesem Wochenende im Juli wird das Geschenk in die Realität umgesetzt. Um 6 Uhr starten wir mit zwei Fahrzeugen Richtung Süden(ich bleibe ein paar Tage länger in den Bergen) und nach einem Frühstück an der Autobahnraststätte Illertal parken wir an der Fellhornbahn. Seit Jahren werden die Wanderer hier kräftig abkassiert (4 Euro pro 24 Stunden, Automat akzeptiert nur Münzen) und leider muss im voraus bezahlt werden. Flexible Mehrtageswanderungen sind damit kaum möglich - außer man bezahlt für die maximale Anzahl der zur Verfügung stehenden Tage. Steigt man wetterbedingt früher ab, ist das Geld verloren.

Gemütlich gehen wir die Tour an. Nach ca. 30 Minuten erreichen wir Birgsau. Für eine Rast ist es noch zu früh. Also gleich weiter nach Einödsbach - dem südlichsten Ort Deutschlands. In der Sonne genießen wir eine heiße Suppe und ein kühles Bier bevor der Anstieg zum Waltenberger Haus ansteht. Das Waltenberger Haus wurde 2016 komplett abgerissen und im Sommer 2017 neu eröffnet.

Die Meinungen zu Hüttenneubauten in den Alpen gehen - wie nicht anders zu erwarten - weit auseinander. Mein Eindruck: das neue Waltenberger Haus ist sehr gelungen. Viel Holz, große Fenster mit herrlicher Aussicht auf die Allgäuer Berge, großer Trockenraum und moderne Sanitäranlagen.





Rund um das Waltenberger Haus lassen sich vor allem in der Dämmerung häufig Steinböcke beobachten.



Der nächste Morgen empfängt uns mit herrlichem Wetter. Die Trettachspitze wirft ihren Schatten auf den gegenüberliegenden Hang. Dahinter befinden sich die Schafalpenköpfe über die der Mindelheimer Klettersteig führt.



Der Aufstieg zur Bockkarscharte geht zügig voran. Nach der Querung eines kleines Restschneefeldes müssen die letzten Meter zur Scharte in leichter, mit Drahtseilen gesicherter Kletterei überwunden werden.



So wie es aussieht sind wir zu spät aufgestanden, denn das Empfangskomitee liegt schon müde unterhalb der Scharte und hat jegliche Scheu vor den Wanderern verloren.



Inzwischen hat sich der Himmel bewölkt. Wieder einmal hat sich das Wetter nicht an den Wetterbericht gehalten, denn eigentlich sollte es noch sonnig sein. Wir genießen trotzdem den Heilbronner Weg und sitzen gegen 9:25 Uhr auf dem höchsten Punkt der heutigen Tour, dem 2.609 Meter hohen Bockkarkopf.



Zwei markante Stellen am Heilbronner Weg dürfen natürlich nicht fehlen. Die Brücke:


hinten rechts der Bieberkopf 2.599 Meter - der südlichste Gipfel Deutschlands

... und die Leiter:



In der Rappenseehütte stärken wir uns mit einer Suppe und einem Hopfenkaltgetränk bevor wir zu unserem Tagesziel, der privaten Enzianhütte, auf 1.804 Meter absteigen. Auch dieses Jahr freue ich mich auf den besonderen Luxus in einer Berghütte: die Sauna. Recht klein und auch schon etwas in die Tage gekommen, ist die Wärme für die Muskulatur sehr angenehm. Den aufgeheizten Körper kühlen wir anschließend in dem hinter der Hütte angelegten Badeteich ab. Gerne nutzen wir auch den zusätzlichen Service uns frisches, kaltes Bier in den Ruhebereich der Sauna liefern zu lassen. Der nächste Höhepunkt lässt nicht lange auf sich warten: das Abendessen. Die Enzianhütte bietet Speisen auf sehr hohem Niveau. Nach einem exzellenten Vorspeisenteller genießen wir einen Saibling, der frisch aus dem Teich vor der Hütte stammt.

Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen (die obligatorische Hüttenruhe um 22 Uhr auf DAV Hütten gibt es hier nicht) und nach einer ruhigen Nacht und einem herzhaften Frühstück steigen wir ins Tal ab. Direkt am Parkplatz der Fellhornbahn füllen wir unsere Wasserspeicher an Willis Hütte auf. Gerne hätten wir noch etwas gegessen, aber warme Speisen werden hier nicht angeboten.

Die herrliche Dreitagestour mit Freunden ging leider viel zu schnell vorbei. Was bleibt sind die schönen Erinnerungen, die uns noch über viele Jahre begleiten werden.